9. Int. ADAC Eifelrennen 1935

  • 9. Int. ADAC Eifelrennen 1935
  • Veranstalter: Oberste Nationale Sportbehörde für die Deutsche Kraftfahrt (ONS)
  • Nordschleife

14.-16. Juni 1935

Der späte Angriff: Wie Caracciola das Eifelrennen 1935 vor Rosemeyer gewann

  • Rudolf Caracciola gewinnt das Hauptrennen nach elf Runden mit 1,9 Sekunden Vorsprung vor Bernd Rosemeyer
  • Raymond Mays führt ERA in der 1500-cm³-Klasse zum Sieg; Bobby Kohlrausch gewinnt die Rennwagenklasse bis 800 cm³
  • Motorräder, Seitenwagen, Sportwagen und Rennwagen machen das Eifelrennen 1935 zu einem umfangreichen Renntag mit fünf Rennen und 18 Klassen

Am 16. Juni 1935 bündelte das Eifelrennen auf dem Nürburgring nahezu das gesamte Spektrum des damaligen Rundstreckensports. Motorräder mit und ohne Seitenwagen, Sportwagen und Rennwagen traten in fünf Rennen und insgesamt 18 Klassen an. Der sportliche Höhepunkt kam erst am Nachmittag: Im Hauptrennen der großen Rennwagen entwickelte sich aus einer zunächst klaren Führung Manfred von Brauchitschs ein Duell zwischen Rudolf Caracciola und Bernd Rosemeyer, das erst unmittelbar vor dem Ziel entschieden wurde.

Ausweisfahrer: Kälte, Regen und erste Entscheidungen

Der Renntag begann unter schwierigen Bedingungen. Es war kalt, es regnete, und ein frischer Nordwestwind lag über dem Ring. Zwanzig Ausweisfahrer gingen in drei Klassen über vier Runden an den Start.

In der großen Klasse führte Reinart auf DKW drei Runden lang an den Tribünen vorbei, ehe sich Cramer auf NSU noch an die Spitze setzte. Mit 92,8 km/h Durchschnitt war Cramer der schnellste Ausweisfahrer. In der 350-cm³-Klasse gewann G. Babel auf Imperia-Rudge vor Werner auf Imperia-Python. Die 250-cm³-Klasse entschied W. Hauser auf New Imperial vor J. Hübers auf DKW für sich.

Ausweisfahrer – Solo bis 250 cm³
PlatzFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. W. Hauser, Bergisch Gladbach New Imperial 4 1:09.42,2 85,9
2. J. Hübers, Duisburg DKW 4    
Ausweisfahrer – Solo bis 350 cm³
PlatzFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. G. Babel, Berlin Imperia-Rudge 4    
2. Werner, Dortmund Imperia-Python 4 1:11.44,4  

Seitenwagen: Loof setzt die Bestmarke

Anschließend gingen 21 Seitenwagengespanne ebenfalls über vier Runden auf die Strecke. In der Klasse bis 600 cm³ setzte sich Ernst Loof auf Imperia durch. Sein Durchschnitt von 96,6 km/h war die beste Leistung unter den Seitenwagenmaschinen.

In der 1000-cm³-Klasse gewann Schumann auf NSU mit 95,8 km/h Durchschnitt. Der Rennbericht schildert einen engen Kampf mit Ehrlenbruch auf Imperia-JAP; bei der genauen Zuordnung der weiteren Ergebnisplätze widersprechen sich die verfügbaren Ergebnisangaben, weshalb sie hier nicht ergänzt werden.

Seitenwagen bis 600 cm³
PlatzFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Ernst Loof, Bad Godesberg Imperia 4 0:56.39 96,6
2. Schneider, Düsseldorf NSU 4    
Seitenwagen bis 1000 cm³
PlatzFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Schumann, Neckarsulm NSU 4 0:57.09 95,8

Lizenzfahrer: Ley, Mellmann und Winkler gewinnen die Soloklassen

Bei den Solo-Lizenzfahrern standen drei Hubraumklassen im Mittelpunkt. In der 500-cm³-Klasse führte Toni Bauhofer auf DKW bis in die Schlussphase. Ein Bremsdefekt beendete seine Fahrt, während Otto Ley, ebenfalls auf DKW, den Sieg übernahm. Ley erreichte 108,9 km/h im Durchschnitt und damit die schnellste Zeit der Solomotorräder. Hinter ihm folgten Kohlus auf Rudge und Demandt auf NSU.

In der 350-cm³-Klasse setzte sich Werner Mellmann auf NSU nach einem harten Kampf gegen Bernhard Petruschke auf Rudge durch. Ernst Loof und Rüttchen folgten dahinter. Nur ein Teil des großen Feldes erreichte nach sechs Runden das Ziel.

Die 250-cm³-Klasse gewann Hans Winkler auf DKW. Ewald Kluge auf DKW und der Schwede R. Gülich auf Husqvarna lagen mit ihren Durchschnittsgeschwindigkeiten nur knapp dahinter; Müller auf DKW wurde Vierter.

Lizenzfahrer – Solo bis 500 cm³
PlatzFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Otto Ley, Zschopau DKW 6 1:15.26 108,9
2. Kohlus, Bayreuth Rudge 6 1:17.01 106,6
3. Demandt, Neuß NSU 6 1:19.07 103,8
Lizenzfahrer – Solo bis 350 cm³
PlatzFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Werner Mellmann, Neckarsulm NSU 6 1:18.29 104,6
2. Bernhard Petruschke, Berlin Rudge 6 1:18.48 104,2
3. Ernst Loof, Godesberg Imperia 6 1:18.57 104,0
4. Rüttchen NSU 6    
5. Richnow, Berlin Rudge 6    
6. Strömberg, Schweden Husqvarna 6    
Lizenzfahrer – Solo bis 250 cm³
PlatzFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Hans Winkler, München DKW 6 1:23.19,1 98,6
2. Ewald Kluge, Zschopau DKW 6 1:23.25,4 98,4
3. R. Gülich, Landskrona Husqvarna 6 1:23.26,1 98,4
4. Müller, Zschopau DKW 6    

Sportwagen und kleine Rennwagen: sieben Klassen gleichzeitig

Sportwagen und die beiden kleineren Rennwagenklassen wurden in einem gemeinsamen Rennblock ausgetragen. Die Mischung aus insgesamt sieben Klassen machte das Geschehen schwer überschaubar, zumal die Rennwagen deutlich schneller unterwegs waren als die Sportwagen.

Bei den Sportwagen bis 2000 cm³ bestimmte Ernst von Delius auf BMW das Tempo. Seine 101,4 km/h waren die schnellste Durchschnittsgeschwindigkeit eines Sportwagens. Paul von Guilleaume und Rudolf Sauerwein folgten auf Adler-Trumpf.

In der 1500-cm³-Sportwagenklasse setzte sich Werner Hillegaart auf Aston Martin durch. Fritz Werneck, Krings und Ralph Roese folgten auf BMW. Bis 1100 cm³ gewann Tenhoff auf Fiat vor Heinz Brendel auf NSU-Fiat und Vianden auf Adler-Trumpf Junior.

Auch in den größeren Sportwagenklassen gab es je einen Klassensieger: Herbert Berg gewann auf Mercedes-Benz SSK die Klasse über 3000 cm³, Stolze auf Bugatti die Klasse bis 3000 cm³.

Sportwagen – über 3000 cm³
PlatzFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Herbert Berg, Altena Mercedes-Benz SSK 5 1:09.44,4 98,2
Sportwagen – bis 3000 cm³
PlatzFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Stolze, Ennigerloh Bugatti 5 1:09.51,4 98,0
Sportwagen – bis 2000 cm³
PlatzFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Ernst von Delius, München BMW 5 1:07.29,0 101,4
2. Paul von Guilleaume, Berlin Adler-Trumpf 5 1:13.13,4 93,5
3. Rudolf Sauerwein, Frankfurt a. M. Adler-Trumpf 5 1:13.14,1 93,5
Sportwagen – bis 1500 cm³
PlatzFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Werner Hillegaart Aston Martin 4 0:59.41,1 91,7
2. Fritz Werneck BMW 4 1:00.27,3 90,6
3. Krings BMW 4 1:02.46,4 87,2
4. Ralph Roese BMW 4 1:04.16,3 85,2
Sportwagen – bis 1100 cm³
PlatzFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Tenhoff, Köln Fiat 4 1:01.19,0 89,3
2. Heinz Brendel, Frankfurt a. M. NSU-Fiat 4 1:01.39,2 88,8
3. Vianden, München Adler-Trumpf Junior 4 1:02.47,0 87,2
4.   NSU-Fiat 4 1:03.51,3 85,7

Rennwagen bis 800 cm³: Kohlrausch vor Wren und Brudes

In der kleinsten Rennwagenklasse setzte sich Bobby Kohlrausch auf MG durch. Hinter ihm wurde Jack Wren auf einem weiteren MG Zweiter, Adolf Brudes belegte Rang drei. Die drei Klassierten absolvierten acht Runden.

Die zeitgenössischen Ergebnisangaben sind beim Namen des Zweitplatzierten nicht einheitlich. Die detaillierte spätere Rekonstruktion ordnet den Wagen Jack Wren zu; Dudley Froy war als Bewerber mit dem Fahrzeug verbunden und startete selbst im Hauptrennen auf Bugatti.

Rennwagen – bis 800 cm³
PlatzFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Bobby Kohlrausch MG 8 1:50.22,3 99,2
2. Jack Wren MG 8 1:54.39,2 95,5
3. Adolf Brudes MG 8 1:56.13,0 94,1

Rennwagen bis 1500 cm³: ERA setzt sich durch

Die 1500-cm³-Klasse wurde zu einem starken Auftritt der britischen ERA. Richard Seaman führte zeitweise, musste später jedoch zum Nachfüllen von Öl anhalten. Raymond Mays übernahm wieder die Spitze und gewann vor dem Schweizer Hans Rüesch auf Maserati. Tim Rose-Richards, Seaman und Humphrey Cook komplettierten die ersten fünf Plätze, sodass vier ERA unter den besten fünf lagen.

Bruno Sojka wurde auf Bugatti Sechster, Hans Kessler auf Maserati Siebter und Luigi Castelbarco auf Maserati Achter.

Rennwagen – 800 bis 1500 cm³
PlatzFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Raymond Mays ERA 8 1:38.33,0 111,1
2. Hans Rüesch Maserati 8 1:39.02,1 110,6
3. Tim Rose-Richards ERA 8 1:40.15,1 109,3
4. Richard Seaman ERA 8 1:40.18,3 109,2
5. Humphrey Cook ERA 8 1:41.08,4  
6. Bruno Sojka Bugatti 8 1:43.22,1  
7. Hans Kessler Maserati 8 1:43.28,4  
8. Luigi Castelbarco Maserati 8    

Hauptrennen: Von Brauchitsch zieht davon

Zum Abschluss standen 16 Fahrer im Hauptrennen der Rennwagen über 1500 cm³. Kurz vor dem Start ging ein Regenschauer nieder. Manfred von Brauchitsch setzte sich im Mercedes-Benz sofort an die Spitze, gefolgt von Caracciola sowie den Auto-Union von Achille Varzi und Hans Stuck.

Von Brauchitsch vergrößerte seinen Vorsprung zunächst kontinuierlich. Nach zwei Runden lag er 30 Sekunden vor Caracciola, nach drei Runden waren es bereits 55 Sekunden. Dahinter arbeitete sich Rosemeyer aus dem Mittelfeld nach vorn. In der fünften Runde lag er bereits auf Rang vier, in Runde sechs hinter Caracciola an dritter Stelle.

Bei Auto Union häuften sich gleichzeitig die Boxenstopps. Stuck musste mehrfach halten, Varzi wurde durch Prinz zu Leiningen abgelöst. Auch Fagioli verlor bei einem Kerzenwechsel Zeit. Damit rückte Rosemeyer zum entscheidenden Gegner der Mercedes-Spitze auf.

Rosemeyer übernimmt – Caracciola wartet

In der siebten Runde zog Rosemeyer an Caracciola vorbei. Kurz darauf fiel der bis dahin klar führende von Brauchitsch aus. Bei seinem Mercedes hatte sich am Kompressor eine Schraube gelöst; der Schaden ließ sich nicht sofort beheben. Rosemeyer übernahm damit die Spitze.

Caracciola ließ den Auto-Union-Fahrer zunächst gewähren und blieb über mehrere Runden in engem Abstand. Seine spätere Schilderung des Rennens macht deutlich, dass er den entscheidenden Angriff bewusst für die Schlussphase aufhob. Nach dem Karussell begann er in der letzten Runde ernsthaft zu attackieren.

Rosemeyer hatte sich zu diesem Zeitpunkt vom neunten Platz der ersten Runde bis an die Spitze vorgearbeitet. Seine Windschutzscheibe war beschädigt, auch die Brille war gesprungen. Dennoch hielt er Caracciola bis in die Schlusskilometer hinter sich.

Die Entscheidung fällt vor der Zielgeraden

Auch am Karussell wurde Rosemeyer noch als Führender gemeldet. Erst in der letzten Kurve vor der Zielgeraden kam Caracciola vorbei. Nach elf Runden gewann er in 2:08.02,3 Stunden mit nur 1,9 Sekunden Vorsprung.

Rosemeyer wurde bei seinem erst zweiten Wagenrennen auf dem Nürburgring Zweiter. Louis Chiron brachte den Alfa Romeo auf Rang drei, gefolgt von Luigi Fagioli und Hermann Lang auf Mercedes-Benz. Paul Pietsch wurde im Auto Union Sechster.

Caracciola fuhr in der letzten Runde mit 11:03,4 Minuten zugleich die schnellste Runde. Von 16 gestarteten Fahrern erreichten neun das Ziel.

Rennwagen – über 1500 cm³
PlatzFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Rudolf Caracciola Mercedes-Benz 11 2:08.02,3 117,6
2. Bernd Rosemeyer Auto Union 11 2:08.04,2 117,55
3. Louis Chiron Alfa Romeo 11 2:09.34,4 116,2
4. Luigi Fagioli Mercedes-Benz 11 2:12.44,2 113,4
5. Hermann Lang Mercedes-Benz 11 2:13.48,3 112,5
6. Paul Pietsch Auto Union 11 2:14.49,0 111,7
7. René Dreyfus Alfa Romeo 11 2:16.30,3 110,3
8. Philippe Étancelin Maserati 11 2:19.11,4 108,2
9. Achille Varzi / Prinz zu Leiningen Auto Union 11 2:19.59,2 107,8

ProgrammheftZur Übersicht "Chronologie 1935"


Quellen: Motorwelt, Nr. 22, 31. Mai 1935
Motorwelt, Nr. 24, 14. Juni 1935, S. 8f
Motorwelt, Nr. 25, 21. Juni 1935, S. 4f, S. 29
Motorwelt, Nr. 26, 28. Juni 1935, S. 10, 13f
Automobil-Revue, Nr. 50/1935, 21. Juni 1935, S. 3 und 5
Hamburger Fremdenblatt, Abend-Ausgabe, Dritte Beilage zu Nr. 166, 17. Juni 1935, S. 13
Motor Sport, Juli 1935: „ERA Victory in the Eifelrennen“
Leif Snellman / Hans Etzrodt: The Golden Era of Grand Prix Racing, Eifelrennen 1935
Racing Sports Cars: Eifelrennen Nürburgring 1935 – Race Results