- 16. Int. ADAC-Eifel-Rennen 1953
- Veranstalter: ADAC e.V., München
- Nordschleife, 22810 m
31. Mai 1953
Winterwetter am letzten Maitag
- Noll/Cron gewinnen mit Rekord
- Herrmann siegt mit einer Sekunde Vorsprung
- Moss und de Graffenried dominieren die Formelrennen
Eisiger Wind, Dauerregen und eine spiegelglatte Nordschleife prägten am 31. Mai 1953 das 16. Internationale ADAC-Eifelrennen auf dem Nürburgring. Trotzdem erlebten die rund 40.000 Zuschauer einen bemerkenswerten Renntag mit Motorrad- und Automobilrennen, engen Entscheidungen und internationalen Spitzenfahrern. Vor allem die Seitenwagen sorgten selbst unter schwierigsten Bedingungen für Rekordtempo.
Von Frühsommer war am Nürburgring an diesem letzten Maitag wenig zu spüren. Kalter Wind trieb immer neue Regenschauer über die Eifel, die Nordschleife war nass und rutschig. Wo sich bei besseren Bedingungen deutlich größere Zuschauermassen an den Hängen drängten, blieben diesmal sichtbar Lücken.
Sportlich machte das Wetter den Renntag allerdings eher interessanter. Die meisten bestehenden Rekorde blieben zwar außer Reichweite, doch auf der schwierigen Strecke wurden Fahrzeugbeherrschung und taktisches Gespür wichtiger als reine Motorleistung.
Zeitplan*
| Donnerstag, 28. Mai 1953 | |
|---|---|
| 07.00–08.00 Uhr | Vorabnahme |
| 08.00–17.00 Uhr | Training |
| Freitag, 29. Mai 1953 | |
|---|---|
| 07.00–08.00 Uhr | Vorabnahme |
| 08.00–17.00 Uhr | Training |
| Samstag, 30. Mai 1953 | |
|---|---|
| 07.00–08.00 Uhr | Vorabnahme |
| 08.00–14.00 Uhr | Training |
| 09.00–12.00 Uhr | Motorräder mit und ohne Seitenwagen | Abnahme |
| 13.00–17.00 Uhr | Sport- und Rennwagen | Abnahme |
| Sonntag, 31. Mai 1953 | |
|---|---|
| 08.00 Uhr | Motorräder über 250 bis 350 ccm | Rennen | 6 Runden = 136.86 km |
| 09.35 Uhr | Motorräder mit Seitenwagen über 350 bis 500 ccm | Rennen | 5 Runden = 114.050 km |
| 11.10 Uhr | Motorräder über 125 bis 250 ccm Motorräder über 350 bis 500 ccm | Rennen | 6 Runden = 136.86 km |
| 13.00 Uhr | Sportwagen Klasse F über 1100 bis 1500 ccm Seriensportwagen bis 1500 ccm | Rennen | 6 Runden = 136.86 km |
| 14.45 Uhr | Rennwagen Formel 3 Sportwagen Klasse G bis 1100 ccm | Rennen | 5 Runden = 114.050 km |
| 16.40 Uhr | Formel 2 | Rennen | 7 Runden = 159.670 km |
| ca. 18.00 Uhr | Ende |
| 20.30 Uhr | Preisverkündung und Siegerehrung im Sporthotel „Tribüne" |
Die Rennen im Detail
Seitenwagen bis 500 ccm: Noll und Cron fahren trotz Regen Rekord
Die außergewöhnliche Leistung des Tages gelang Wilhelm Noll und Fritz Cron im BMW-Seitenwagengespann. Ihre wichtigsten Gegner waren der britische Ex-Weltmeister Eric Oliver mit Stanley Dibben sowie Cyril Smith und Les Nutt auf Norton.
Noll/Cron und Oliver/Dibben lieferten sich über weite Strecken einen direkten Kampf und passierten mehrfach nahezu nebeneinander die Zuschauerplätze. Erst wenige hundert Meter vor dem Ziel fiel die Entscheidung: Oliver verlor die Kontrolle über seine Norton und kam von der Strecke ab.
Noll und Cron erreichten das Ziel nach gut 114 Kilometern mit einem Durchschnitt von 106,8 km/h. Damit stellten sie ausgerechnet auf der regennassen Nordschleife einen neuen Klassenrekord auf. Smith/Nutt blieben als Zweite mit 106,7 km/h ebenfalls über der bisherigen Bestmarke.
Distanz: 5 Runden = 114,050 km
Ergebnis
- Wilhelm Noll/Fritz Cron – BMW – 1:04:05,6 h – 106,8 km/h
- Cyril Smith/Les Nutt – Norton – 106,7 km/h
- Kraus/Huser – BMW – 102,8 km/h
Schwerer Sturz überschattet die Motorräder
Bei den Solo-Motorrädern begann das Rennen der 350er mit einer starken Vorstellung von Ewald Kluge. Der DKW-Fahrer übernahm zunächst die Führung und fuhr eine schnelle Runde, stürzte jedoch in der dritten Runde schwer am Schwalbenschwanz. Kluge wurde mit erheblichen Verletzungen ins Krankenhaus nach Adenau gebracht. Der vorgeschriebene Sturzhelm bewahrte ihn nach Einschätzung der behandelnden Ärzte vor noch schwereren Kopfverletzungen.
Nach Kluges Ausfall übernahm Siegfried Wünsche auf der Dreizylinder-DKW die Initiative. Er fing den führenden H. P. Müller ab und gewann das Rennen mit mehr als einer halben Minute Vorsprung.
In der 500-ccm-Klasse ließ BMW wenig anbrennen. Georg „Schorsch“ Meier führte einen Dreifacherfolg vor Gerhard Mette und Hans Meier an. Bei den 250ern setzte sich Karl Hofmann auf DKW knapp gegen seinen Markenkollegen Siegfried Wünsche durch. Beide erreichten denselben Durchschnitt von 101,1 km/h.
Distanz: 6 Runden = 136,860 km
Ergebnisse
Motorräder bis 250 ccm
- Karl Hofmann – DKW – 1:21:22,9 h – 101,1 km/h
- Siegfried Wünsche – DKW – 101,1 km/h
- Rupert Hollaus – Guzzi – 98,7 km/h
Motorräder bis 350 ccm
- Siegfried Wünsche – DKW – 1:18:02,6 h – 105,1 km/h
- H. P. Müller – Horex – 104,4 km/h
- Fritz Kläger – Horex – 100,5 km/h
Motorräder bis 500 ccm
- Georg Meier – BMW – 1:16:30,2 h – 107,2 km/h
- Gerhard Mette – BMW – 106,8 km/h
- Hans Meier – BMW – 105,2 km/h
Sportwagen bis 1500 ccm: Glöckler bezwingt die Borgward
Mit den Automobilrennen rückte anschließend ein Duell in den Mittelpunkt, das für den deutschen Rennsport jener Jahre besondere Bedeutung hatte. Bei den Sportwagen bis 1500 ccm traf Porsche auf Borgward – erstmals seit längerer Zeit standen sich damit wieder zwei deutsche Hersteller mit ernsthaften Siegchancen gegenüber.
Helm Glöckler pilotierte einen nur rund 500 Kilogramm schweren Porsche-Prototyp mit knapp 100 PS. Ihm gegenüber standen die schnellen Borgward von Adolf Brudes und Hans Hugo Hartmann sowie die Eisenacher EMW.
Auf den Geraden verfügte vor allem Brudes über hohe Geschwindigkeit, doch Glöcklers Porsche spielte beim Herausbeschleunigen und in den Kurven seine Stärken aus. Selbst Probleme mit der Vergaserabstimmung, durch die der Motor nicht seine vorgesehene Höchstdrehzahl erreichte, konnten Glöckler nicht stoppen.
Nach sechs Runden und 136,86 Kilometern trennten ihn lediglich 3,5 Sekunden von Brudes. Hartmann folgte weitere gut 14 Sekunden dahinter. Für Porsche war es ein wichtiger Erfolg unmittelbar vor dem bevorstehenden Einsatz in Le Mans.
Distanz: 6 Runden = 136,860 km
Ergebnis
- Helm Glöckler – Porsche – 1:16:13,2 h – 107,7 km/h
- Adolf Brudes – Borgward – 1:16:16,7 h – 107,6 km/h
- Hans Hugo Hartmann – Borgward – 1:16:31,1 h – 107,2 km/h
Seriensportwagen bis 1500 ccm: Thirion überrascht die Porsche-Elite
Noch dramatischer verlief das Rennen der serienmäßigen Sportwagen bis 1500 ccm. Sämtliche Spitzenfahrzeuge waren Porsche, doch zunächst bestimmte Gilberte Thirion das Geschehen. Die Belgierin setzte sich früh an die Spitze und hielt selbst Richard von Frankenberg, Hans Herrmann und Artur Heuberger hinter sich.
Zwei Runden lang führte Thirion das Feld auf der nassen Nordschleife an. Danach übernahmen von Frankenberg und Herrmann die Spitze. Thirion blieb zunächst Dritte, rutschte später jedoch von der Strecke und beschädigte ihren Porsche. Sie selbst blieb unverletzt.
Damit wurde das Rennen zum Zweikampf zwischen den beiden Stuttgartern. Von Frankenberg schien lange auf Siegkurs, ehe ihm im Brünnchen ein kleiner Fahrfehler unterlief. Herrmann nutzte die Gelegenheit sofort, ging vorbei und rettete seinen Vorsprung bis ins Ziel.
Nach fast 137 Kilometern trennten die beiden Porsche gerade einmal eine Sekunde.
Distanz: 6 Runden = 136,860 km
Ergebnis
- Hans Herrmann – Porsche – 1:19:58,7 h – 102,6 km/h
- Richard von Frankenberg – Porsche – 102,5 km/h
- Rolf Friedrich Goetze – Porsche – 100,8 km/h
Sportwagen bis 1100 ccm: Trenkel kontrolliert die 1100er
Bei den Sportwagen bis 1100 ccm war die Entscheidung deutlich klarer. Richard Trenkel setzte sich mit seinem Porsche früh vom Feld ab. Auch die italienischen OSCA und der Stanguellini des Schweizers Kurt Sauter konnten ihm nicht folgen.
Nach fünf Runden gewann Trenkel mit rund 45 Sekunden Vorsprung vor Sauter. Franco Giardini brachte seinen OSCA auf Rang drei ins Ziel.
Distanz: 5 Runden = 114,050 km
Ergebnis
- Richard Trenkel – Porsche – 1:08:50,9 h – 99,0 km/h
- Kurt Sauter – Stanguellini – 98,4 km/h
- Franco Giardini – OSCA – 94,6 km/h
Formel 3: Stirling Moss lässt der Konkurrenz keine Chance
Noch eindeutiger verlief das Formel-3-Rennen. Stirling Moss war mit seinem Cooper-Norton schon 1953 einer der auffälligsten jungen Fahrer des internationalen Motorsports – und auf der Nordschleife demonstrierte der damals 23-Jährige seine Klasse eindrucksvoll.
Seine Gegner sahen ihn praktisch nur beim Start. Über fünf Runden baute Moss einen Vorsprung von mehreren Minuten auf Eric Brandon aus. Von 19 gestarteten Fahrzeugen erreichten lediglich acht das Ziel.
Moss gewann mit einem Durchschnitt von 105,5 km/h. Brandon wurde Zweiter vor Adolf Lang, ebenfalls auf Cooper.
Distanz: 5 Runden = 114,050 km
Ergebnis
- Stirling Moss – Cooper – 1:04:47,3 h – 105,5 km/h
- Eric Brandon – Cooper – 100,4 km/h
- Adolf Lang – Cooper – 99,8 km/h
Formel 2: De Graffenried beherrscht das Rennen
Den Abschluss und sportlichen Höhepunkt des Tages bildete das Formel-2-Rennen. Das internationale Feld brachte Maserati, HWM, Ferrari, Cooper, Veritas, EMW und weitere deutsche Konstruktionen zusammen.
Von Beginn an bestimmte Emanuel de Graffenried das Tempo. Sein frisch vorbereiteter Sechszylinder-Maserati verfügte über rund 185 bis 190 PS und war auf der nassen Strecke das stärkste Gesamtpaket. Der Schweizer musste das Risiko nicht übermäßig steigern und konnte seine Leistungsreserven vor allem auf den schnellen Abschnitten nutzen.
Dahinter kämpften Paul Frère und Peter Collins in ihren HWM um den Anschluss. Collins erlebte dabei eine ungewöhnliche Schrecksekunde: Ein im Cockpit befestigter Feuerlöscher löste sich und geriet beim Anbremsen unter das Bremspedal. Der Brite konnte seinen Wagen nach mehreren Drehern abfangen, verlor dabei jedoch entscheidend Zeit.
Frère rückte dagegen zum Ende noch einmal näher an de Graffenried heran. Der Maserati-Pilot hatte seinen Vorsprung bereits verwaltet, brachte den Sieg aber sicher ins Ziel. Kurt Adolff wurde im Ferrari bester deutscher Fahrer auf Rang vier, Edgar Barth brachte den EMW auf Platz fünf. Hans Klenk hatte sich mit seinem stark überarbeiteten Veritas lange aussichtsreich gehalten, musste kurz vor Schluss jedoch mit einem technischen Defekt aufgeben.
De Graffenried gewann nach sieben Runden und 159,67 Kilometern mit einem Durchschnitt von 113,3 km/h. Damit erzielte er zugleich den höchsten Renndurchschnitt des Tages.
Distanz: 7 Runden = 159,670 km
Schnellste Runde: De Graffenried, 11.24,3 min
Ergebnis
- Emanuel de Graffenried, Maserati, 1:24:32,0 h = 113,3 km/h
- Paul Frère, HWM, 113,3 km/h
- Peter Collins, HWM, 112,9 km/h
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Quellen: Programmheft der Veranstaltung
auto motor und sport Nr. 12/1953, S. 442f
ADAC Motorwelt Nr. 7 vom 1. Juli 1953, S. 376f, S. 405, S. 407
*vorläufiger Zeitplan, Zeiten können abweichen
Abbildung des Programmhefts mit freundlicher Genehmigung des ADAC e.V., München

