Eifel-Pokal-Rennen Nürburgring 1949

  • Eifel-Pokal-Rennen Nürburgring
  • Veranstalter: Motorsportverband Rheinland-Pfalz e.V.
  • Nordschleife, 22810 m
  • 2. Meisterschaftslauf für Motoräder mit und ohne Seitenwagen
  • Zuschauer: ca. 200.000

 Die Nordschleife kehrte auf die Motorsportbühne zurück

  • Fast 200.000 Zuschauer erlebten die Wiedereröffnung der Nordschleife.
  • Georg Meier fuhr auf BMW die schnellste Runde des Tages.
  • Karl Kling gewann das Zweiliter-Sportwagenrennen im Veritas.

Zehn Jahre nach den letzten Vorkriegsrennen kehrte der Motorsport auf die Nürburgring-Nordschleife zurück. Beim Eifel-Pokal am 22. Mai 1949 trafen bewährte Kompressormaschinen auf eigenwillige Nachkriegskonstruktionen. Fast 200.000 Zuschauer erlebten einen Renntag, an dem Georg Meier die Maßstäbe setzte und Karl Kling zeigte, wie viel fahrerischer Einsatz im frühen deutschen Sportwagensport gefragt war.

Die Zuschauer waren längst da, als am Sonntagmorgen die Motoren angelassen wurden. Viele hatten an der Strecke übernachtet, in Zelten, Wohnwagen oder eingewickelt in Decken. An den Hängen brannten Lagerfeuer. Fuchsröhre, Karussell und Schwalbenschwanz wurden wieder zu Treffpunkten einer Rennsportgemeinde, die zehn Jahre auf diesen Moment gewartet hatte.

Der Nürburgring war 1949 noch derselbe anspruchsvolle Kurs, auf dem vor dem Krieg die Silberpfeile gefahren waren. Das technische und wirtschaftliche Umfeld hatte sich dagegen grundlegend verändert. An die Stelle aufwendiger Werksprogramme traten vielfach kleine Mannschaften, selbst entwickelte Motoren und Fahrzeuge, deren Möglichkeiten ebenso vom Materialbestand wie vom Können ihrer Erbauer bestimmt wurden.

Gerade darin lag der Reiz dieses Neubeginns. Die 22,810 Kilometer lange Nordschleife machte keine Zugeständnisse. Wer hier schnell sein wollte, brauchte Leistung, ein brauchbares Fahrwerk und vor allem Vertrauen in die eigene Technik. Dass dieses Vertrauen nicht immer gerechtfertigt war, zeigten die Ausfalllisten.

Zeitplan*

Donnerstag, 19. Mai 1949
09-12 Uhr Training
14-18 Uhr Training
Freitag, 20. Mai 1949
09-12 Uhr Training
14-18 Uhr Training
Samstag, 21. Mai 1949
09-12 Uhr Abnahme Sport- und Rennwagen
09-12 Uhr Training
13-17 Uhr Training
14-17 Uhr Abnahme Motorräder
Sonntag, 22. Mai 1949
10.00 Uhr Offizielle Übergabe der Nordschleife,
Begrüßung durch Präsident Scholten vom Motor-Sport-Verband Rheinland-Pfalz,
Eröffnungsansprache des Ministerpräsidenten Altmeier von Rheinland-Pfalz
10.30 Uhr Start der Klasse Kleinstrennwagen bis 750 ccm
10.35 Uhr Start der Lizenzfahrer Klasse 3/4: Solomaschinen bis 125 ccm
12.00 Uhr Start der Lizenzfahrer Klasse C: Solomaschinen bis 500 ccm
12.02 Uhr Start der Lizenzfahrer Klasse B: Motorräder bis 350 ccm
12.04 Uhr Start der Lizenzfahrer Klasse A: Motorräder bis 250 ccm
13.30 Uhr Start der Lizenzfahrer Klasse Bs/F: Motorräder mit Seitenwagen bis 600 ccm
13.35 Uhr Start der Lizenzfahrer Klasse G: Motorräder mit Seitenwagen bis 1200 ccm
14.45 Uhr Start der Sportwagen Klasse E bis 2000 ccm
14.46 Uhr Start der Sportwagen Klasse F bis 1500 ccm 
14.47 Uhr Start der Sportwagen Klasse G bis 1100 ccm
17.30 Uhr Siegerverkündung vor dem Tribünenhotel des Start- und Zielplatzes
21.00 Uhr Siegerehrung im Kurhaus Bad Neuenahr

Motorräder bis 125 ccm: Döring setzte sich früh ab

Karl Dörings Drehscheiber-DKW war das Maß der kleinsten Soloklasse. Schon früh setzte sich der Wiesbadener ab und legte die drei Runden weitgehend ohne direkten Gegner zurück. Wie groß seine Überlegenheit war, zeigte eine Episode aus der Schlussrunde: Döring beschäftigte sich inzwischen mit dem ebenfalls allein fahrenden Stoll auf einer serienmäßigen 250er-NSU. Der eigentliche Kampf um den Klassensieg war da längst entschieden. Mit 88,8 km/h im Rennmittel und einer schnellsten Runde von 89,3 km/h demonstrierte die kleine DKW, wie wirksam ein gutes Verhältnis von Leistung und Gewicht auf der Nordschleife sein konnte. Heini Dietrich wurde auf Puch Zweiter und gewann die Sonderwertung für kompressorlose Maschinen.

Distanz: 3 Runden = 68,430 km

Ergebnis Plätze 1 bis 5

 #TeamFahrerKradRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.     Karl Döring DKW 3 0:46.14,1 88,8
2.     Heini Dietrich Puch 3   85,7
3.     Ernst Heinrich DKW 3   85,3
4.     Ulrich Pohl Kullerm. 3   84,5
5.     Willi Thorn FB/Spezial 3   83,4

FIM-Wertung: Heini Dietrich

Motorräder bis 250 ccm: Müller gewann trotz dreier Boxenstopps

H. P. Müller brachte eine DKW mit einem selbst konstruierten Kompressormotor an den Start. Leistung war vorhanden, thermische Standfestigkeit nur eingeschränkt. Dreimal musste Müller an die Box, um Wasser nachzufüllen und Kraftstoff aufzunehmen. Zweimal nutzte Otto Daiker die Gelegenheit zur Führung, zweimal kämpfte sich Müller wieder vorbei. Das Rennen wurde damit zum Wechselspiel zwischen hohem Tempo auf der Strecke und verlorener Zeit im Stand.

Die aufgeladenen Zweitakter verlangten nach stark alkoholhaltigem Kraftstoff und verbrauchten erhebliche Mengen davon. Für Hermann Gablenz wurde genau das zum Problem: In der letzten Runde blieb er auf Platz drei ohne Kraftstoff liegen. Müller brachte seine DKW dagegen ins Ziel und gewann mit einem Schnitt von 107,7 km/h. Nach einer Augenverletzung, die seinen Start in Hockenheim verhindert hatte, war es ein eindrucksvoller Einstand in die Saison. Daiker blieb der stärkste Gegner, Friedel Schön gewann als Gesamtfünfter die kompressorlose Wertung.

Gestartet: 18
Gewertet: 13
Distanz: 6 Runden = 136,860 km

Ergebnis Plätze 1 bis 5

 #TeamFahrerKradRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.     H. P. Müller DKW 6 1:16:18,3 107,7
2.     Otto Daiker DKW 6   107,0
3.     Otto Kohfink DKW 6   100,3
4.     Gustav Vinke DKW 6   99,4
5.     Friedel Schön Bücker-JAP 6   98,4

FIM-Wertung: Friedel Schön

Motorräder bis 350 ccm: Wagner siegte, Herz musste aufgeben

Nach der ersten Runde lag Rudi Knees vorn, anschließend übernahm Stefan Wagner die Führung. Dahinter versuchte Wilhelm Herz, seine NSU in Schlagdistanz zu bringen. Doch der Motor drehte nicht über 5.000 Umdrehungen pro Minute, der Angriff blieb aus. Nach zwei Runden stellte Herz die Maschine ab. Ob eine gebrochene Ventilfeder oder Schwierigkeiten mit dem Kompressor den Ausschlag gaben, blieb unklar.

Wagner setzte sich unterdessen deutlich ab. Mit 108,4 km/h im Durchschnitt und einer schnellsten Runde von 111,2 km/h gewann er vor Knees. Thorn-Prikker brachte seine Velocette auf den dritten Platz und wurde bester Fahrer ohne Kompressor. Roland Schnell folgte als Vierter, obwohl ihn die Folgen eines Trainingssturzes noch beeinträchtigten.

Gewertet: 11
Distanz: 6 Runden = 136,860 km

Ergebnis Plätze 1 bis 5

 #TeamFahrerKradRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.     Stefan Wagner DKW 6 1:15:43,0 108,4 
2.     Rudi Knees DKW 6   103,4
3.     Thorn-Prikker Velocette 6   102,9
4.     Roland Schnell Schnell-Spezial 6   100,0
5.     Aldinger Rudge 6   99,0

FIM-Wertung: Thorn-Prikker

Motorräder bis 500 ccm: Meier beherrschte die Königsklasse

Die Verbindung aus Georg Meier und Kompressor-BMW war an diesem Tag unerreicht. Auf der anspruchsvollen Nordschleife setzte Meier die Leistung seiner Maschine mit einer Sicherheit um, gegen die der Rest des Feldes wenig ausrichten konnte. Seine schnellste Runde von 125,6 km/h blieb Tagesbestzeit, der Rennschnitt lag mit 124,4 km/h nur wenig darunter. Wiggerl Kraus machte den BMW-Doppelsieg komplett.

Heiner Fleischmann musste auf der schweren Kompressor-NSU deutlich mehr arbeiten und wurde Dritter. Aufmerksamkeit verdiente auch Walter Zeller, der auf der für ihn noch ungewohnten Strecke bis auf Rang drei vorfuhr, ehe ein Motorschaden sein Rennen beendete. Eberlein schied mit Getriebeproblemen aus. Die Bilanz von neun Zielankünften bei 17 Startern zeigte, wie weit sich die schnellsten Maschinen bereits an ihren technischen Grenzen bewegten.

Gestartet: 17
Gewertet: 9
Distanz: 6 Runden = 136,860 km
Neuer Klassenrekord: Georg Meier, BMW, 1:05:55,9 Std., Ø 124,4 km/h
FIM-Wertung: Christ

Ergebnis Plätze 1 bis 5

 #TeamFahrerKradRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.     Georg Meier BMW 6 1:05:55,9 124,4
2.     Wiggerl Kraus BMW 6   117,9
3.     Heiner Fleischmann NSU 6   111,8
4.     Christ NSU 6   103,1
5.     von Woedtke Norton 6   101,5

Seitenwagen bis 600 ccm: Klankermeier/Wolz drehten das Rennen

Für Klankermeier/Wolz begann das Rennen mit einem Kerzenwechsel. Rund eine Minute ging bereits in der ersten Runde verloren – auf vier Nordschleifenrunden eine erhebliche Hypothek. Doch auch die Konkurrenz blieb nicht ohne Probleme. Am führenden NSU-Gespann von Hermann Böhm und Fuchs riss in Runde drei die Kette, Ziemer/Wels mussten ihren Eigenbau nach dem Verlust eines Bolzens abstellen. Klankermeier/Wolz arbeiteten sich mit ihrem BMW-Werkskompressorgespann wieder nach vorn und gewannen. Dahinter brachten Neußner/Prätorius ihre aufgeladene Zündapp auf Platz zwei ins Ziel.

Distanz: 4 Runden = 91,240 km
FIM-Wertung: Lipp/Stragies

Ergebnis Plätze 1 bis 5

 #TeamFahrerKradRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.     Klankermeier/Wolz BMW 4 55:13,5 99,1
2.     Neußner/Prätorius Zündapp 4   95,0
3.     Lipp/Stragies BMW 4   90,6
4.     Hillebrand NSU 4   88,1
5.     Hilgen/Weber BMW 4   86,6

Seitenwagen bis 1200 ccm: Müller/Minderlein ohne ernsthafte Gegenwehr

Das erwartete Duell der großen Gespanne kam nicht zustande. Die BMW von Seppenhauser/Wenzhofer lief bereits in der zweiten Runde unsauber, auch Mohr/Mohr kämpften mit Motorstörungen. Müller/Minderlein konnten sich deshalb ohne ernsthaften Angriff durchsetzen. Weitaus kritischer verlief das Rennen für Meyer/Kappe: Bei einer Bergabfahrt brach eine Seitenwagenstrebe. Dass der Fahrer das Gespann dennoch unter Kontrolle hielt, verhinderte einen schweren Unfall.

Distanz: 4 Runden = 91,240 km

Ergebnis Plätze 1 bis 4

 #TeamFahrerKradRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.     Müller/Minderlein BMW 4 55:17,2 99,0
2.     Seppenhauser/Wenzhofer BMW 4   94,8
3.     Roth/Ruf BMW 4   93,8
4.     Kaul/Lauber BMW 4   89,5

Kleinstrennwagen: Komossa überzeugte im Scampolo

Walter Komossas Scampolo gehörte zu den überzeugenden Konstruktionen im Feld der Kleinstrennwagen. Während manche Eigenbauten noch grundlegende Schwächen offenbarten, ließ sich der Scampolo präzise und schnell über die Nordschleife bewegen. Komossa nutzte diese Qualitäten konsequent. Der erhoffte Vergleich mit Lehder fiel allerdings aus, weil dessen Wagen schon am Start liegen blieb. So gewann Komossa deutlich, fuhr einen Schnitt von 92,9 km/h und steigerte sich auf seiner schnellsten Runde auf 96,8 km/h.

Distanz: 5 Runden = 114,050 km

Ergebnis Plätze 1 bis 3

 #TeamFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.     Walter Komossa Scampolo 5 1:13:36,6 92,9
2.     Rentrop Scampolo 5   82,3
3.     Lauer DKW 5   78,7

Sportwagen bis 1100 ccm: Petermax Müller profitierte von Ausfällen

In der kleinen Sportwagenklasse hielt die frühe Spitze nicht lange. Vorster musste die Führung bereits in der ersten Runde an Vollmer abgeben, kurz darauf waren beide aus dem Rennen. Bei Vollmer versagte der Motor, bei Vorster das Differential. Petermax Müller nutzte die Gelegenheit und gewann im VW-Eigenbau mit einem neuen Klassenrekord von 98,8 km/h. Huschke von Hanstein konnte dagegen die technischen Grenzen seines seilzuggebremsten VW auch mit fahrerischem Können nicht ausgleichen.

Distanz: 6 Runden = 136,860 km
Neuer Klassenrekord: Petermax Müller, VW-Eigenbau, 1:23:02,3 Std., Ø 98,8 km/h

Ergebnis Plätze 1 bis 3

 #TeamFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.     Petermax Müller VW-Eigenbau 6 1:23:02,3 98,8
2.     Dübbers AF 6   88,7
3.     Weber Wo/Fiat 6   83,2

Sportwagen bis 1500 ccm: Glöckler gewann das kleine Starterfeld

Drei Starter waren eine schmale Besetzung für die 1500er-Sportwagenklasse. Helm Glöckler setzte sich im Veritas gegen Eduard Gräske durch, der ebenfalls einen Veritas fuhr. Jägers Kombination aus MG-Fahrgestell und Veritas-Motor litt unter anhaltenden Motorstörungen und spielte im Kampf um den Sieg keine entscheidende Rolle. Glöckler gewann schließlich mit mehr als zwei Minuten Vorsprung.

Distanz: 6 Runden = 136,860 km

Ergebnis Plätze 1 und 2

 #TeamFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.     Helm Glöckler Veritas 6 1:20:25,7 102,1
2.     Eduard Gräske Veritas 6 1:22:49,3 99,1

Sportwagen bis 2000 ccm: Kling setzte sich im Veritas durch

Karl Kling musste seinen Veritas auf der Nordschleife mit erheblichem Einsatz bewegen. Gerade auf den unruhigen, schnellen Passagen verlangte der Wagen seinem Fahrer viel ab. Willi Krakau verfügte mit dem Intertyp-BMW über ein auf dieser Strecke konkurrenzfähiges Auto und lieferte Kling den entscheidenden Zweikampf. Mit 114,5 km/h erzielte Krakau die schnellste Runde aller Wagenklassen, ehe ihn ein Pleuelschaden aus dem Rennen warf.

Auch Ulmen fiel aus. Sein Wagen verlor Öl an einer vermutlich beim Wiegen beschädigten Ölwanne. Kling brachte den Veritas dagegen über die Distanz und gewann mit 113,6 km/h im Mittel. Hinter ihm belegten Ralph Roese und Karl Bossong die weiteren Podestplätze. Der Dreifacherfolg war ein starkes Ergebnis für Veritas – und Klings Fahrt ein Beispiel dafür, wie viel damals noch vom Mann am Lenkrad abhing.

Distanz: 6 Runden = 136,860 km

Ergebnis Plätze 1 bis 3

 #TeamFahrerWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.     Karl Kling Veritas 6 1:12:55,7 113,6
2.     Ralph Roese Veritas 6 1:13:49,5 111,3
3.     Karl Bossong Veritas 6 1:15:22,8 108,9

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Quellen: Programmheft der Veranstaltung
Das Auto Nr. 11/1949, S. 18f
*Auszug aus dem Programmheft, Zeiten können abweichen