4. Int. ADAC Eifelrennen 1930

  • 4. Int. ADAC Eifelrennen 1930
  • Veranstalter: ADAC, Gesamt-Club München, ausgerichtet vom Gau Rheinland (IV)
  • Südschleife

18.-20. Juli 1930

NSU triumphiert, Bugatti dominiert die Autorennen

  • Soenius und Zündorf scheiden aus – Rüttchen gewinnt auf NSU.
  • Von Morgen fährt mit Bugatti die Tagesbestzeit.
  • Simons’ Defekt ermöglicht BMW einen Dreifacherfolg.

Am 20. Juli 1930 trug der ADAC das Eifelrennen auf der Südschleife des Nürburgrings aus. Bei gutem Rennwetter standen Motorrad-, Seitenwagen-, Sportwagen- und Rennwagenwettbewerbe auf dem Programm. Besonders die Ausfälle der BMW-Fahrer in den Motorradklassen prägten den Tag: NSU gewann die 500er- und die große Soloklasse. In den Automobilrennen setzten sich dagegen vor allem Bugatti-Fahrer durch. Hans-Joachim von Morgen erzielte im Rennwagen die schnellste Fahrt des Tages.

Im Vorfeld hatte der Veranstalter ein umfangreiches Meldeergebnis verzeichnet. Das Preisgeld betrug 30.000 Reichsmark. Wegen der großen Zahl der Nennungen war zeitweise ein Wechsel auf die Nordschleife im Gespräch, doch blieb es bei der Südschleife. Die Veranstaltung wurde auf drei Rennen aufgeteilt. Schlechtes Trainingswetter hatte die Anreise vieler Zuschauer beeinträchtigt; trotz freundlicher Bedingungen am Renntag blieb der Besuch hinter den Erwartungen zurück. Die Organisation und die Vorbereitung der Strecke verliefen reibungslos.

Motorräder bis 250 cm³: Elst setzt sich durch

In der kleinsten Soloklasse gewann Elst auf Ardie vor Bus auf DKW und Schott auf BMW. Über die 30 Runden und 234 Kilometer betrug sein Durchschnitt 89,7 km/h.

 #Fahrer, OrtKradRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.   Elst Ardie 30 2:35.25,4 89,7
2.   Bus DKW 30 2:35.52,2 89,5
3.   Schott BMW 30 2:39.09,4 83,7

Motorräder bis 350 cm³: Hervers gewinnt auf DKW

Bei den 350ern ging der Sieg über 30 Runden an Hervers auf DKW. Döhl auf UT und Wirth auf FN belegten die nächsten Plätze.

 #Fahrer, OrtKradRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.   Hervers DKW 30 2:48.12,0 83,0
2.   Döhl UT 30 2:48.12,0 83,0
3.   Wirth FN 30 2:53.15,2 80,5

Motorräder bis 500 cm³: Bullus und Ulmen sichern NSU den Doppelsieg

In der 500-cm³-Klasse blieb BMW ohne den erhofften Erfolg. Heide musste mit einem Pleuelschaden aufgeben. Bullus und Ulmen brachten stattdessen die beiden NSU-Maschinen auf die ersten Plätze. Hinter ihnen folgten Horex und Weyres.

 #Fahrer, OrtKradRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.   Bullus NSU 30 2:11.40,3 105,9
2.   Ulmen NSU 30 2:17.36,3 101,8
3.   Jaeckel Sunbeam 30 2:21.58,2 98,2
4.   Klein Horex 30 2:24.23,3 96,6
5.   Weyres Harley 30 2:31.10,0 92,2

Motorräder bis 1000 cm³: BMW-Ausfälle öffnen Rüttchen den Weg

Der Start der Motorradrennen erfolgte am Sonntagvormittag um zehn Uhr. Soenius und Zündorf auf BMW bestimmten zunächst die große Soloklasse. Beide schieden jedoch aus: Soenius stürzte und erlitt eine leichte Gehirnerschütterung, Zündorf musste mit Kerzendefekt aufgeben. Rüttchen und Karbstein nutzten die Ausfälle; Rüttchen gewann auf NSU vor Karbstein auf A.J.S.

 #Fahrer, OrtWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
2   Karbstein A.J.S. 30 2:35.58,2 83,7

Seitenwagen bis 350 cm³: Hiller vor der Konkurrenz

Bei den kleineren Gespannen siegte Hiller auf Montgomery über 26 Runden und 202,8 Kilometer.

 #Fahrer, OrtWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.   Hiller Montgomery 26 2:38.06,1 88,4

Seitenwagen bis 600 cm³: Drax vor Marcinkonsky

Die Seitenwagenklasse bis 600 cm³ entschied Drax auf Norton für sich. Marcinkonsky auf Imperia folgte vor Schneider auf Rudge-Whitworth, Sonntag auf O.D.-Jap und einem weiteren Gespann auf Harley.

 #Fahrer, OrtWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.   Drax Norton 26 2:31.56,0 91,9
2.   Marcinkonsky Imperia 26 2:42.01,0 86,2
3.   Schneider Rudge-Whitworth 26 2:46.45,3 83,7
4.   Sonntag O.D.-Jap 26 2:52.50,0 80,7

Seitenwagen bis 1000 cm³: Zaspel gewinnt trotz kleinem Feld

Nur vier Gespanne gingen in der größten Seitenwagenklasse an den Start, zwei davon fielen mit technischen Problemen aus. Zaspel auf O.D. führte vom Start bis ins Ziel und gewann nach 26 Runden mit etwa sieben Minuten Vorsprung vor Strohn auf Harley.

 #Fahrer, OrtWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.   Zaspel O.D. 26 2:23.49,1 97,5
2.   Strohn Harley 26 2:30.05,3 92,9

Sportwagen bis 750 cm³: Simons’ Ausfall ermöglicht BMW den Dreifachsieg

In der kleinen Sportwagenklasse lieferten sich die BMW-Fahrer ein Duell mit Simons auf DKW. Simons lag zehn Runden lang vorn, musste dann aber wegen eines Defekts an der Benzinzufuhr aufgeben. Danach machten die BMW-Fahrer die Entscheidung unter sich aus. Schmidt gewann vor Kohlrausch und Weichel.

 #Fahrer, OrtWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.   Schmidt BMW 25 2:31.22,2 76,7
2.   Kohlrausch BMW 25 2:31.58,1 76,5
3.   Weichel BMW 25 2:30.50,0  
4.   Vormann BMW 25 2:39.57,4 72,6
5.   Herwig BMW 25 2:47.36,2 69,4

Sportwagen bis 1500 cm³: Ohlendorff siegt vor Risse

In der Klasse von 750 bis 1500 cm³ lag Ohlendorff auf Bugatti vorn. Risse, ebenfalls auf Bugatti, war zunächst zurückgefallen und fuhr später mit hohem Tempo wieder an Ohlendorff heran. Für den Sieg reichte die Aufholjagd nicht. Seibel wurde Dritter. In der Klasse war auch die langsame, aber ausdauernde Fahrt Walkers bemerkenswert, während Fräulein Schulz nach mehreren Reparaturen zurückfiel.

 #Fahrer, OrtWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.   Ohlendorff Bugatti 30 2:38.33,3 88,0
2.   Dr. Risse Bugatti 30 2:43.23,0 86,3
3.   Seibel Bugatti 30 2:48.10,1 82,9
4.   Wolff Chen.-Walker 30 3:02.38,1 76,5

Sportwagen bis 3000 cm³: Burggaller setzt sich durch

Die Sportwagenklasse von 1500 bis 3000 cm³ gewann Burggaller auf Bugatti. Klein, Bernstein und Zigrand belegten weitere Plätze; auch diese Fahrzeuge waren Bugatti.

 #Fahrer, OrtWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.   Burggaller Bugatti 30 2:14.10,4 104,0
2.   Klein Bugatti 30 2:24.11,1 96,7
3.   Dr. Fuchs Bugatti 30 2:24.58,0 96,3
4.   Bernstein Bugatti 30 2:32.44,2 91,3
5.   Zigrand Bugatti 30 2:47.31,2 83,2

Sportwagen über 3000 cm³: Spandel setzt sich auf Mercedes-SSK durch

In der großen Sportwagenklasse musste von Raulin auf Mercedes-SSK aufgeben. Spandel auf demselben Fabrikat hielt sich trotz der Belastung durch die Renndistanz an der Spitze und gewann mit 94,2 km/h Durchschnitt. Die Sportwagenkonkurrenz schloss damit mit einem Erfolg für Mercedes-SSK in der größten Klasse ab.

 #Fahrer, OrtWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.   Spandel Mercedes-SSK 30 2:29.33,2 94,2

Rennwagen bis 1500 cm³: Volkhardt behauptet sich

Volkhardt aus Düsseldorf fuhr im Rennen der kleineren Rennwagen einen Klassensieg heraus. Er profitierte davon, dass die übrigen Konkurrenten seiner Klasse bis auf Brides aus Breslau ausfielen. Broscheck erreichte mit seinem Bugatti auf der Gesamtstrecke einen Stundenmittelwert von 92,8 km/h.

 #Fahrer, OrtWagenRundenGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.   Volkhardt, Düsseldorf Bugatti 30 2:22.57,1 97,6
2.   Brudes Bugatti 30 2:28.49,0 94,8

Rennwagen über 1500 cm³: von Morgen fährt Tagesbestzeit

Bei den großen Rennwagen setzte sich von Morgen auf Bugatti früh ab und steigerte seine Rundenzeiten weiter. Broscheck blieb auf Bugatti mit geringem Abstand hinter ihm, konnte das Tempo des Führenden aber nicht mitgehen. Von Morgen erzielte mit 109,5 km/h den schnellsten Durchschnitt des Tages auf der Südschleife und gewann die Klasse. Broscheck folgte mit 103,0 km/h.

  # Fahrer, Ort Wagen Runden Gesamt (h) Schnitt (km/h)
1.   v. Morgen Bugatti 30 2:08.53,0 109,5
2.   Broscheck Bugatti 30 2:30.49,3 92,8

Die sportliche Bilanz des Eifelrennens war damit klar verteilt: NSU gewann die wichtigen Motorradentscheidungen, während Bugatti die meisten Sport- und Rennwagenklassen beherrschte. BMW musste bei den Solomaschinen Ausfälle hinnehmen, sicherte sich aber in der kleinen Sportwagenklasse einen Dreifacherfolg. Die Rennleitung zeichnete am Ende die Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung aus.

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Quellen: ADAC-Motorwelt, Nr. 29 vom 18. Juli 1930, S. 5.
ADAC-Motorwelt, Nr. 30 vom 25. Juli 1930, S. 2ff.
Behrndt, Mi./Födisch, J-T./Behrndt, Ma.: ADAC Eifelrennen, Heel, 2009, ISBN 978-3-86852-070-5.
Abbildung des Programmhefts mit freundlicher Genehmigung des ADAC e.V., München