10. Int. ADAC 1000 km Rennen 1964

10. Int. ADAC 1000 km Rennen 1964
  • 10. ADAC 1000 km Rennen
  • 7. Lauf zur Sportwagen Weltmeisterschaft 1964
  • Veranstalter: Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e.V. (ADAC)
  • Nordschleife 22810 m
  • Runden: 44 (1.003,64 km)
  • Rennklassen: 11
  • Wetter: vorerst trocken, Regen am Ende des Rennens
  • Zuschauer: ca. 250.000

Zeitplan*

Donnerstag, 28. Mai 1964
10:00-17:00 Uhr Abnahme
15:00-18:00 Uhr Training
Freitag, 29. Mai 1964
09:00-17:00 Uhr Training
09:00-17:00 Uhr Abnahme
Samstag, 30. Mai 1964
08:00-13:00 Uhr Training
08:00-18:00 Uhr Abnahme
Sonntag, 31. Mai 1964
07:45-08:15 Uhr Startaufstellung
08:15-08:30 Uhr Hissen der Nationalflaggen
08:50 Uhr Abstellen der Motoren
08:55 Uhr Aufstellen der Fahrer auf Startkreis
09:00 Uhr Start
ca. 16:30 Uhr Ende des Rennens
20:00 Uhr Aushang der Ergebnisse in der Rennleitung
21:00 Uhr Siegerehrung im Sporthotel „Tribüne“ des Nürburgrings

Das Rennen

Scarfiotti und Vaccarella gewinnen das 1000-Kilometer-Rennen 1964

  • John Surtees fährt im Training 8:57 Minuten und bleibt mit dem Ferrari-Prototyp unter neun Minuten
  • Porsche verliert einen Achtzylinder im Training und zwei Runden durch ein kleines Kunststoffteil am Gaspedal
  • Ludovico Scarfiotti und Nino Vaccarella gewinnen vor Parkes/Guichet und Ben Pon/Gerhard Koch

Am 31. Mai 1964 stand auf dem Nürburgring das 10. Internationale ADAC-1000-Kilometer-Rennen auf dem Programm. 81 Wagen gingen im Le-Mans-Start auf die 44 Runden, 46 erreichten das Ende der Distanz. Rund 300.000 Zuschauer verfolgten das Jubiläumsrennen, das für Gran-Turismo-Wagen und Prototypen zugleich sportliche Bedeutung besaß. Am Ende gewannen Ludovico Scarfiotti und Nino Vaccarella für Ferrari – nachdem der Rennverlauf die zunächst dominierende Position der Marke mehrfach auf die Probe gestellt hatte.

Surtees unter neun Minuten, Porsche mit Rückschlag im Training

Schon das Training machte deutlich, welche Anforderungen die Nordschleife an Fahrzeuge und Mannschaften stellte. Abstimmung, Bremsen, Reifen, Tankstrategie und Fahrerwechsel mussten auf eine Distanz vorbereitet werden, die nicht allein über Geschwindigkeit entschieden wurde. Rund 50.000 Zuschauer kamen bereits zu den Trainingssitzungen von Donnerstag bis Samstag. Für die Startaufstellung zählte die schnellste Runde, und dabei setzte John Surtees den herausragenden Wert.

Surtees fuhr mit dem Ferrari-Prototyp 8:57 Minuten und erreichte dabei einen Schnitt von 152,7 km/h. Drei Runden hintereinander blieb er knapp unter neun Minuten. Im Rennen folgte mit 9:09 Minuten und 149,6 km/h auch die schnellste Rennrunde. In der Anfangsphase setzte sich Surtees an die Spitze und bestimmte das Tempo.

Porsche hatte vor dem Wochenende ebenfalls Hoffnungen auf seinen Zweiliter-Achtzylinder gesetzt. Eine Woche vor dem Rennen war Edgar Barth bei Versuchsfahrten auf 8:59 Minuten gekommen. Im Training hatte er bereits 9:08 Minuten erreicht, als neue Bremsbeläge montiert wurden. Beim anschließenden Versuch fehlte vor der scharfen Kurve am Ende der Zielgeraden die erwartete Bremswirkung. Barth kam von der Strecke ab, der Wagen überschlug sich. Er erlitt Prellungen und eine leichte Gehirnerschütterung; der Porsche war nicht mehr zu reparieren. Ein über Nacht herangebrachter Ersatzwagen besaß nur den Vierzylindermotor.

Damit blieb Porsche für den Achtzylinder-Einsatz noch der Wagen von Joakim Bonnier und Richie Ginther. Bonnier lag in den ersten Runden an vierter Stelle und dicht hinter dem Ford-Prototyp. Ölspritzer aus dessen Auspuff zwangen ihn zunächst zu einem Halt, um die Scheibe zu säubern. Schwerer wog ein winziges Kunststoffteil, das sich unter dem Gaspedal verklemmte. Das Pedal blieb zeitweise auf Vollgas hängen oder ließ nur Halbgas zu. Die Suche nach der Ursache und ein weiterer Boxenhalt kosteten insgesamt zwei Runden.

Auch die amerikanischen Ford-Cobra gehörten zum auffälligen Bild des Rennens. Die 4,7-Liter-GT-Wagen verfügten über starke Beschleunigung und hohe Geschwindigkeit auf den Geraden, verlangten ihren Fahrern auf der Nordschleife jedoch viel ab. Ein Cobra kam mit beschädigtem Heck und zerfetztem Reifen an die Boxen und wurde wieder flottgemacht. Der Ford-Prototyp von Bruce McLaren und Phil Hill schied mit einem Hinterachsschaden aus.

Ferraris Führung gerät ins Wanken

Zur Halbzeit lagen vier Ferrari auf den ersten vier Plätzen. Doch aus der scheinbar klaren Lage entwickelte sich eine Reihe entscheidender Zwischenfälle. Innes Ireland, zu diesem Zeitpunkt in Führung, blieb rund 500 Meter vor der Ziellinie ohne Benzin stehen. Graham Hill, der den Wagen beim nächsten Tankstopp übernehmen sollte, machte sich mit einem 20-Liter-Kanister auf den Weg. Der Ferrari wurde wieder in Gang gebracht; außerdem wurde ein kleiner Riss im Tank repariert. Das Nachtanken außerhalb der Boxen verstieß jedoch gegen das Reglement. Der Wagen erhielt die schwarze Flagge und musste aus dem Rennen genommen werden.

Der Jaguar E-Type Lightweight von Peter Lindner und Peter Nöcker beim Boxenstopp; hinter der Motorhaube stehend sieht man die beiden Piloten; Peter Lindner ohne Helm und neben ihm der behelmte …
Der Jaguar E-Type Lightweight von Peter Lindner und Peter Nöcker beim Boxenstopp; hinter der Motorhaube stehend sieht man die beiden Piloten; Peter Lindner ohne Helm und neben ihm der behelmte Teamkollege Peter Nöcker

In der 33. Runde folgte der nächste Verlust für Ferrari: Surtees kam mit dem schnellsten Werkswagen an der Quiddelbacher Höhe von der Bahn. Damit blieb Scarfiotti/Vaccarella als letzter Prototyp des Ferrari-Werkes an der Spitze. Das Duo absolvierte als einziges 44 Runden und gewann mit einem Durchschnitt von 140,5 km/h. Eine Runde zurück folgte der 3-Liter-Gran-Turismo-Ferrari von Parkes/Guichet. Den dritten Platz belegten Ben Pon und Gerhard Koch im Porsche 904.

Gerade der dritte Rang des Porsche stand am Ende für einen Renntag, an dem die Stuttgarter Mannschaft schon im Training einen Achtzylinder verloren und mit dem verbliebenen Wagen erheblichen Zeitverlust hinnehmen musste. Ferrari wiederum brachte trotz mehrerer Rückschläge einen Werksprototypen über die volle Distanz und besetzte auch den zweiten Platz mit einem Gran-Turismo-Wagen.

Über dem sportlichen Ergebnis lag zugleich der Schatten zweier tödlicher Trainingsunfälle. Brian Hetreed aus England und Rudolf Wilhelm Moser aus Frankfurt kamen während des Trainings ums Leben. Hetreed war 35 Jahre alt und erstmals zum Nürburgring gekommen. Moser war Präsident des Deutschen Sportfahrer-Kreises und hatte 1956 Meistertitel in der Gran-Turismo-Klasse bis 1300 ccm sowie bei den Tourenwagen errungen. Bei der Siegerehrung wurde beider Fahrer gedacht.

Mit dem Sieg von Scarfiotti und Vaccarella endete ein Rennen, in dem die reine Geschwindigkeit nur einen Teil der Entscheidung ausmachte. Surtees hatte Training und Anfangsphase geprägt, doch erst nach Ausfällen, Reglementverstoß und technischen Problemen stand die Reihenfolge fest. Von 81 gestarteten Wagen erreichten 46 das Ende der 1000 Kilometer.

Gemeldet 119
Pole Position #143, John Surtees,
SpA Ferrari SEFAC,
Ferrari 275P,
8:57,900 min = 152,660 km/h
Gestartet 81
Im Ziel 46
Gewertet 49
Nicht gewertet 32
Sieger #144, Ludovico Scarfiotti, Nino Vaccarella,
SpA Ferrari SEFAC,
Ferrari 275P
7:08.28,0 h = 140,549 km/h
Schnellste Runde #143, John Surtees,
SpA Ferrari SEFAC,
Ferrari 275P
9:09,0 min = 146,900 km/h
Ludovico Scarfiotti im siegreichen Ferrari 275P
Ludovico Scarfiotti im siegreichen Ferrari 275P

Gesamtergebnis Plätze 1 bis 10

 Klasse#TeamFahrerFahrzeugRnd.Gesamt (h)
Schnitt (km/h)
1 P 3.0 144 SpA Ferrari SEFAC Ludovico Scarfiotti
Nino Vaccarella
Ferrari 275P 44 7:08.28,0
140,549
2 GT 3.0 83 SpA Ferrari SEFAC Mike Parkes
Jean Guichet
Ferrari 250 GTO/64 43 7:09.01,7
3 GT 2.0 45 Ben Pon Gerhard Koch
Ben Pon
Porsche 904 GTS 43 7:12.34,5
4 GT 3.0 74 Ecurie Francorchamps Lucien Bianchi
Gérard Langlois van Ophem
Ferrari 250 GTO/64 43 7:16.16,3
5 P 2.0 126 Porsche Joakim Bonnier
Richie Ginther
Porsche 904/8 42 7:08.46,7
6 GT 2.0 55 Scuderia Filipinetti Herbert Müller
André Knörr
Porsche 904 GTS 42 7:09.05,6
7 GT 3.0 72 David Piper David Piper
Anthony Maggs
Ferrari 250 GTO 42 7:10.45,0
8 GT 2.0 65 Heinz Schiller Joseph Siffert
Heinz Schiller
Porsche 904 GTS 42 7:11.33,2
9 GT 2.0 50 S. M. A. R. T. David Hobbs
Lloyd Casner
Porsche 904 GTS 42 7:13.55,1
10 GT 2.0 63 Andrea Vianini Andrea Vianini
Nasif Estéfano
Porsche 904 GTS 42 7:13.58,0

* Gewertet, aber nicht im Ziel.

Klassensieger

Klasse#TeamFahrerFahrzeugRnd.Gesamt (h)
Schnitt (km/h)
Ges.-
Rang
P + 3.0 144 SpA Ferrari SEFAC Ludovico Scarfiotti,
Nino Vaccarella
Ferrari 275P 44 7:08.28,0
140,549
Gesamtsieg
P 2.0 126 Porsche Joakim Bonnier,
Richie Ginther
Porsche 904/8 42 7:08.46,7 Rang 5
P 1.3 199 Dick Jacobs Andrew Hedges,
Keith Greene
MG Midget 39 7:10.55,7 Rang 24
P 1.0 113 Peter Jackson John Miles,
Peter Jackson
Diva GT 35 7:09.47,3 Rang 37
GT + 3.0 99 Shelby American Inc. Jo Schlesser,
Richard Attwood
Shelby Cobra 39 7:09.01,7 Rang 23
GT 3.0 83 SpA Ferrari SEFAC Mike Parkes,
Jean Guichet
Ferrari 250 GTO/64 43 7:09.01,7 Rang 2
GT 2.0 45 Ben Pon Gerhard Koch,
Ben Pon
Porsche 904 GTS 43 7:12.34,5 Rang 3
GT 1.6 34 Scuderia Sant Ambroeus Giampiero Biscaldi,
Ernst Furtmayr
Alfa Romeo Giulia TZ 41 7:09.29,1 Rang 13
GT 1.3 8 Abarth Hans Herrmann,
Fritz Jüttner
Abarth-Simca 1300 Bialbero   7:14.37,2 Rang 16

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Fotos: Lothar Spurzem [CC BY-SA 2.0 de], from Wikimedia Commons
Titelbild: Bob Bondurant durchfährt im Shelby Cobra während des Trainings den Streckenabschnitt Karussell
Quellen und Literatur:

ADAC-Motorwelt, Nr. 7, 1. Juli 1964, S. 34ff 
ADAC Motorwelt, Nr. 5, 1. Mai 1964, S. 60ff
Programmheft der Veranstaltung

Wikipedia (abgerufen 10.10.2018)
Behrend, M.; Födisch, J.-T.; Behrndt, M.: ADAC 1000km Rennen, Heel, 2008, ISBN 978-3-89880-903-0
Peter Higham: Guinness Guide To International Motor Racing, Guinness Publishing Ltd., ISBN 0-85112-642-1
Abbildung des Programmheftes mit freundlicher Genehmigung des ADAC e.V., München.
* Vorläufiger Zeitplan, Zeiten können abweichen