Preis der Roemrykeberge 1930

  • Preis der Roemrykeberge
  • Veranstalter: Bergische Arbeitsgemeinschaft (ADAC)
  • Südschleife

20. April 1930

Nur 18 im Ziel: Harte Auslese beim Preis der Roemrykeberge

  • 38 Maschinen starteten auf der 7,8 Kilometer langen Südschleife, nur 18 beendeten die Fahrt.
  • In der Klasse bis 350 ccm entschied eine zusätzliche Runde mit sekundengenauer Wertung den Sieg.
  • Dachtler gewann vor Reichel; Nahrgang blieb in der Klasse über 350 ccm als Einziger ohne Strafpunkt.

Der „Preis der Roemrykeberge“ führte 1930 auf den Nürburgring und wurde über 20 Runden auf der 7,8 Kilometer langen Südschleife ausgetragen. Die Veranstaltung der Bergischen Arbeitsgemeinschaft hatte ihren Ursprung in einer Fahrt über rheinische Landstraßen, war aber bereits im Vorjahr auf den Nürburgring gewechselt. Diesmal machten anspruchsvolle Durchschnittsvorgaben und anhaltender Regen aus der als Zuverlässigkeitsfahrt angelegten Konkurrenz eine harte Auslese: Von 38 gestarteten Maschinen erreichten nur 18 das Ziel.

Regen und hohes Tempo dezimieren das Feld

Der Veranstalter hatte die Bedingungen bewusst anspruchsvoll gewählt. Zugelassen waren Ausweisfahrer aus dem Rheinland, Westfalen und den angrenzenden Landesteilen. Für Solomaschinen bis 350 ccm waren 60 km/h Durchschnitt gefordert, für die stärkeren Solomaschinen 75 km/h. In den Beiwagenklassen lagen die Vorgaben bei 60 beziehungsweise 65 km/h. Insgesamt gingen 45 Meldungen ein.

Unter den Teilnehmern befanden sich Fahrer, die den Nürburgring bereits kannten. Genannt wurden unter anderem Jenau aus Bochum, Amend aus Düsseldorf und Fritz Heide aus Weidenau, die sich im Umfeld dieser Veranstaltung bereits einen Namen gemacht hatten. Einige hundert Zuschauer hatten sich trotz der ungünstigen Witterung am Start versammelt.

Um 13 Uhr ging die erste Fahrergruppe auf die Strecke und schlug sofort ein hohes Tempo an. In einer Rechtskurve bei Hilfsposten 5 löste der Sturz eines Rudge-Fahrers eine Kettenreaktion aus, in die mehr als ein halbes Dutzend Teilnehmer verwickelt wurde. Einige schieden sofort aus, andere später infolge des Zwischenfalls. Weitere Stürze verliefen glimpflich.

Auch Reichel aus Köln geriet bereits in der ersten Runde in Schwierigkeiten. In der Zementkurve brach an seiner Maschine der Drehgasgriff ab. Weil zusätzlich eine zweite Hebelgasarmatur montiert war, konnte er mit einigen Minuten Zeitverlust weiterfahren. Das hohe Tempo forderte darüber hinaus zahlreiche technische Defekte.

Klasse I bis 350 ccm: Dachtler trifft den Zeitpunkt am besten

Von acht gestarteten Maschinen der Klasse bis 350 ccm kamen fünf ins Ziel. Nach der regulären Wertung waren Dachtler aus Köln-Mülheim, Reichel aus Köln, Petsch aus Düsseldorf und Flieten jr. aus Krefeld noch ohne Strafpunkt. Deshalb wurde eine Entscheidungsrunde angesetzt. Der geforderte Durchschnitt stieg dabei auf 70 km/h, zugleich wurde ein Eintreffen auf die Sekunde verlangt.

Petsch schaffte die Zusatzaufgabe nicht mehr. Flieten jr. kam ebenfalls nicht weiter; als Ursache wurde angegeben, dass ihm von fremder Hand zu viel Öl in das Motorgehäuse gepumpt worden sei. Damit fiel die Entscheidung zwischen Dachtler auf Calthorpe und Reichel auf KMK-Villiers. Dachtler kam der geforderten Eintreffsekunde am nächsten und gewann vor Reichel, Petsch und Flieten jr.

Position#FahrerWagenPunkte
1   Dachtler, Köln-Mülheim Calthorpe 0 Strafpunkte
2   Reichel, Köln KMK-Villiers 0 Strafpunkte
3   Petsch, Düsseldorf Zündapp 0 Strafpunkte
4   Flieten jr., Krefeld AIS 0 Strafpunkte

Klasse II über 350 ccm: Nahrang bleibt strafpunktfrei

In der stärksten Soloklasse war die Ausfallquote besonders hoch. Von 25 gestarteten Maschinen erreichten nur elf das Ziel. Nahrang aus Herne auf Imperia blieb als einziger Fahrer dieser Klasse ohne Strafpunkt und belegte Rang eins. Kerkens aus Viersen auf BMW und Fuchs aus Solingen auf Saroléa wurden mit jeweils einem Strafpunkt gemeinsam auf den Positionen zwei und drei geführt. Welle aus Paderborn auf AIS folgte mit zwei Strafpunkten.

Position#FahrerWagenPunkte
1   Nahrang, Herne Imperia 0 Strafpunkte
2./3.   Kerkens, Viersen BMW 1 Strafpunkt
2./3.   Fuchs, Solingen Saroléa 1 Strafpunkt
4   Welle, Paderborn AIS 2 Strafpunkte

Beiwagen: Rings und Allemand kommen durch

In der Beiwagenklasse bis 600 ccm war nur eine Maschine gestartet. Rings aus Süchteln brachte seine Gillet mit einem Strafpunkt ins Ziel und gewann damit die Klasse.

Position#FahrerWagenPunkte
1   Rings, Süchteln Gillet 1 Strafpunkt

In der Beiwagenklasse über 600 ccm gingen vier Maschinen ins Rennen, doch nur eine erreichte das Ziel. Allemand aus Aachen blieb auf Harley-Davidson ohne Strafpunkt und sicherte sich den Klassensieg.

Position#FahrerWagenPunkte
1   Allemand, Aachen Harley-Davidson 0 Strafpunkte

Damit endete der Preis der Roemrykeberge als deutliche Auslesefahrt. Der Regen, das von Beginn an hohe Tempo und die strengen Durchschnittsvorgaben reduzierten das Feld auf weniger als die Hälfte der gestarteten Maschinen. In der kleinsten Soloklasse reichte selbst eine strafpunktfreie Fahrt noch nicht zum Sieg: Erst die sekundengenaue Entscheidungsrunde brachte Dachtler die endgültige Reihenfolge.


Quelle: ADAC-Motorwelt, Nr. 18, 2. Mai 1930, S. 14