6. Int. ADAC 1000 km Rennen 1960

  • 6. ADAC 1000 km Rennen
  • 3. Lauf zur Sportwagen Weltmeisterschaft 1960
  • Veranstalter: Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e.V. (ADAC)
  • Nordschleife 22810 m
  • Runden: 44 (1.003,64 km)
  • Rennklassen: 8
  • Wetter: kühl, regnerisch, stellenweise nebelig
  • Zuschauer: ca. 250.000

22. Mai 1960

Das Rennen

Nebel, Feuer und eine große Aufholjagd: Moss und Gurney gewinnen die 1000 Kilometer 1960

  • Stirling Moss und Dan Gurney gewinnen nach 44 Runden im Maserati und setzen sich nach einem Reparaturstopp erneut an die Spitze.
  • Joakim Bonnier und Olivier Gendebien bringen den Porsche auf Rang zwei, während Ferrari nach mehreren Ausfällen noch Platz drei erreicht.
  • Regen, dichter Nebel und ein Boxenbrand prägen das Rennen vor einer außergewöhnlich großen Zuschauerkulisse.

Am 22. Mai 1960 wurde das VI. Internationale ADAC-1000-km-Rennen auf dem Nürburgring zu einem Langstreckenrennen mit ständig wechselnden Bedingungen und einem über Stunden offenen Kampf an der Spitze. Regen und dichter Nebel erschwerten die Sicht, während Maserati, Porsche und Ferrari um die Gesamtführung rangen. Nach 44 Runden und 1003,64 Kilometern gewannen Stirling Moss und Dan Gurney im Maserati vor Joakim Bonnier und Olivier Gendebien im Porsche. Der Ferrari von Cliff Allison, Willy Mairesse und Phil Hill wurde Dritter.

Schon vor dem Start zeichnete sich ab, welche Bedeutung das Rennen inzwischen erreicht hatte. Rund um die Strecke entstanden Zeltstädte, die Parkplätze waren vollständig belegt. Die zeitgenössischen Angaben zur Zuschauerzahl reichen von mehr als 200.000 bis zu etwa 250.000 Menschen; die Polizei zählte rund 80.000 Fahrzeuge im Umfeld des Nürburgrings. Das Wetter bot dagegen alles andere als günstige Voraussetzungen: Es war kühl und regnerisch, immer wieder zog Nebel über die Strecke.

Porsche schnell im Training – und langsam vom Start

Im Training war Joakim Bonnier im 1,7-Liter-Porsche mit 9:43,6 Minuten der Schnellste und sicherte sich damit Startplatz 1. Hans Herrmann erreichte im zweiten Porsche 9:51,8 Minuten. Zum Rennen traten 67 Sportwagen und Gran-Turismo-Fahrzeuge an.

Der Le-Mans-Start brachte die Porsche-Werkswagen sofort in Schwierigkeiten. Während die Maserati ansprangen und Moss schnell loskam, blieben die Porsche zunächst stehen. Erst nach zehn und mehr Sekunden liefen die Motoren. Bonnier begann daraufhin eine bemerkenswerte Aufholjagd: Aus der ersten Runde kam er bereits als Siebter zurück und lag in Runde drei auf Platz zwei hinter Moss. Herrmann musste früh wegen eines unruhigen linken Vorderrads an die Box und fiel zunächst weit zurück.

Moss führte nach der ersten Runde vor Jim Clark im Aston Martin. Schon in der zweiten Runde lagen die beiden Maserati vorn, ehe Bonnier weiter nach vorne stieß. Wolfgang Graf Berghe von Trips näherte sich im Ferrari dem Porsche und überholte Bonnier in der achten Runde. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Aston Martin von Clark und Whitehead bereits mit Antriebsschäden aufgegeben.

Nach zehn Runden führte Moss mit 77 Sekunden Vorsprung vor Trips. Dahinter folgten Bonnier, Allison, Barth, Gregory, Rodriguez, Herrmann, Scarlatti, Walter, Greger und Beaufort. Zwischen der zehnten und fünfzehnten Runde begannen die regulären Tankstopps und Fahrerwechsel. Gurney übernahm den führenden Maserati, Hill den Ferrari von Trips, Gendebien den Porsche von Bonnier und Mairesse den Ferrari von Allison.

Feuer an den Boxen

Während dieser Phase ereignete sich der dramatischste Zwischenfall des Rennens. Giorgio Scarlatti kam mit seinem Ferrari zum Tanken an die Box. Beim Tankvorgang lief Benzin über den Wagen und entzündete sich. Scarlatti geriet ebenfalls in Brand, konnte jedoch aus dem Fahrzeug gelangen und erlitt nur leichte Verbrennungen. Nach dem Löscheinsatz blieb vom Ferrari ein ausgebranntes Wrack zurück. Die Untersuchung führte den Brand darauf zurück, dass das Ventil des Tankschlauchs bereits geöffnet worden war, bevor das Mundstück in der Tanköffnung saß.

An der Spitze blieb der Maserati zunächst vorn. Dann musste Gurney wegen eines gebrochenen Ölrohrs an die Box. Die beiden zeitgenössischen Berichte beziffern den Zeitverlust unterschiedlich auf rund viereinhalb beziehungsweise rund sechs Minuten. Ferrari übernahm dadurch mit Trips und Hill die Führung, während der Porsche von Bonnier und Gendebien ebenfalls in Schlagdistanz lag.

Bei Halbzeit lag der Maserati mehr als vier Minuten hinter dem führenden Ferrari. Gurney holte im Nebel jedoch schnell auf. Vier Runden später war der Abstand auf 42 Sekunden geschrumpft, in Runde 27 auf 16,5 Sekunden. In Runde 28 lag der Maserati wieder vorn. Der Kampf blieb dennoch eng, denn Bonnier hielt mit dem Porsche Anschluss.

Die Sicht wurde zeitweise extrem schlecht. In den Berichten ist von 100 Metern, später stellenweise sogar nur 30 bis 40 Metern die Rede. Edgar Barth schied nach einem Dreher mit seinem Porsche aus und kam mit einer kleinen Verletzung an der Stirn zu den Boxen zurück.

Moss entscheidet das Rennen

Als Gurney in Runde 30 wieder an Moss übergab, fiel der Maserati während des Fahrerwechsels erneut hinter Bonnier zurück. Kurz darauf endete auch der starke Lauf von Trips und Hill: Der Ferrari schied mit Motorschaden aus. Zuvor war bereits der Ferrari der Brüder Pedro und Ricardo Rodriguez ausgefallen. Ferrari setzte daraufhin Phil Hill zusätzlich im verbliebenen Wagen von Allison und Mairesse ein.

Moss machte den Rückstand auf Bonnier kontinuierlich wett. Der Porsche musste noch einmal zum Tanken und Fahrerwechsel an die Box, während Moss bis zum Ziel durchfahren konnte. Damit wechselte die Führung endgültig zurück zum Maserati.

Nach 44 Runden gewann Moss gemeinsam mit Gurney in 7:31.40,5 Stunden. Bonnier und Gendebien wurden im Porsche in 7:34.32,9 Stunden Zweite. Rang drei ging an Allison, Mairesse und Hill im Ferrari in 7:35.44,1 Stunden. Hans Herrmann und Maurice Trintignant belegten im Porsche Platz vier, gefolgt von Masten Gregory und Gino Munaron im zweiten Maserati.

Porsche sammelt Klassensiege

Neben dem zweiten und vierten Gesamtrang war Porsche in mehreren Klassen erfolgreich. Bonnier und Gendebien gewannen die Sportwagenklasse bis 2000 ccm, Heinrich Walter und Thomas Losinger die kleinere Sportwagenklasse, und Paul Ernst Strähle sowie Hans Joachim Walter setzten sich bei den Gran-Turismo-Wagen bis 2000 ccm durch. Carlo Mario Abate und Colin Davis gewannen im Ferrari die große GT-Klasse, Charles Voegele und Peter Ashdown siegten mit dem Lola in der 1150-ccm-Sportwagenklasse, René Bartholoni und Jean Vinatier mit Deutsch-Bonnet bei den Sportwagen bis 850 ccm. In der GT-Klasse bis 1300 ccm gewannen John Barry Warstaff und Alan Stacey im Lotus Elite.

Das Rennen diente Porsche zugleich als Erprobung unter Wettbewerbsbedingungen. Ein Carrera und ein Super 90 traten als Versuchsfahrzeuge an. Beschrieben werden eine neuartige Porsche-Scheibenbremse sowie ein Versuchsmotor; außerdem setzte Porsche Dunlop-SP-Gürtelreifen ein. Trotz des Wetters waren Reifenwechsel nach der zeitgenössischen Rennverlaufsübersicht nahezu nicht erforderlich.

Der Maserati des Siegerteams fuhr mit einer gemischten Reifenbestückung: vorn Goodyear, hinten Pirelli. Sein Gitterrohrrahmen aus zahlreichen dünnen Rohren prägte die zeitgenössischen Bezeichnung "Vogelkäfig-Maserati" des Wagens.

Das 1000-km-Rennen von 1960 wurde durch mehrere Wendungen entschieden: den misslungenen Porsche-Start, den Reparaturstopp des führenden Maserati, die Aufholjagd von Gurney und Moss, den Motorschaden des Ferrari von Trips und Hill sowie den letzten Tankstopp des Porsche von Bonnier und Gendebien. Unter schwierigen Sichtverhältnissen setzte sich am Ende der Maserati von Moss und Gurney durch, während Porsche mit zwei Fahrzeugen unter den ersten vier und mehreren Klassensiegen ein starkes Gesamtergebnis erzielte.

Gemeldet 85
Im Training 73
Pole Position #2, Joakim Bonnier / Olivier Gendebien,
Porsche,
Porsche 718 RS 60,
9:43,6 min
Gestartet 67
Im Ziel 41
Gewertet 43
Nicht gewertet 24
Sieger #5, Stirling Moss / Dan Gurney,
Camoradi USA Racing Team,
Maserati Tipo 61,
44 Runden, 7:31:40,5 h = 133,322 km/h
Schnellste Runde #5, Stirling Moss,
Camoradi USA Racing Team,
Maserati Tipo 61,
9:37,000 = 142,315 km/h

Gesamtergebnis Plätze 1 bis 10

 #Kls.TeamFahrerFahrzeugRnd.Gesamt (h)
Schnitt (km/h)
1 5 Sp. 3000 Camoradi USA Racing Team Stirling Moss,
Dan Gurney
Maserati Tipo 61 44 7:31:40,5
133,322 km/h
2 2 Sp. 2000 Porsche Joakim Bonnier,
Olivier Gendebien
Porsche 718 RS 60 44 7:34.32,9
3 2 Sp. 3000 Scuderia Ferrari Cliff Allison,
Willy Mairesse,
Phil Hill
Ferrari 250 Testa Rossa 44 7:35.44,1
4 23 Sp. 2000 Porsche Hans Herrmann,
Maurice Trintignant
Porsche 718 RS 60 44 7;37.57,7
5 6 Sp. 3000 Camoradi USA Racing Team Masten Gregory,
Gino Munaron
Maserati Tipo 61 43 7:49.59,7
6 36 Sp. 1600 Heini Walter Heini Walter,
Thomas Losinger
Porsche 718 RSK 42 7:41.14,8
7 31 Sp. 1600 Porsche Joseph Greger,
Herbert Linge
Porsche 356 B Carrera GTL 41 7:36.49,0
8 77 GT +2000 Scuderia Serenissima Carlo-Maria Abate,
Colin Davis
Ferrari 250 GT LWB 41 7:41.51,1
9 34 Sp. 1600 Ian Fraser-Jones Carel Godin de Beaufort,
Paul Frère
Porsche 718 RS 60 40 7:33.08,1
10 83 GT 2000 Paul-Ernst Strähle Paul-Ernst Strähle,
Hans Walter
Porsche 356 B Carrera GTL 40 7:33.16,6

Klassensieger

Kls.#TeamFahrerFahrzeugRnd.Gesamt (h)
Schnitt (km/h)
Ges.-
Rang
Sport bis 3000 ccm 5 Camoradi USA Racing Team Stirling Moss,
Dan Gurney
Maserati Tipo 61 44 7:31:40,5
133,322 km/h
1
Sport bis 2000 ccm 21 Porsche Joakim Bonnier,
Olivier Gendebien
Porsche 718 RS 60 44 7:34.32,9 2
Sport bis 1500 ccm 36 Heini Walter Heini Walter,
Thomas Losinger
Porsche 718 RSK 42 7:41.14,8 6
Sport bis 1150 ccm 53 Charles Vögele Charles Vögele,
Peter Ashdown
Lola Mk1 40 7:39.41,2 17
Sport bis 850 ccm 62 Automobiles D.B.
Deutsch Bonnet
René Bartholoni,
Jean Vinatier
DB HBR5 36 7:41.04,5 36
GT über 2000 ccm 77 Scuderia Serenissima Carlo-Maria Abate,
Colin Davis
Ferrari 250 GT LWB 41 7:41.51,1 8
GT bis 2000 cm 83 Paul-Ernst Strähle Paul-Ernst Strähle,
Hans Walter
Porsche 356B Carrera GTL 40 7:33.16,6 10
GT bis 1300 ccm 117 Team Elite Alan Stacey,
John Wagstaff
Lotus Elite 39 7:34.57,6 20

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Quellen und Literatur:
Wikipedia (abgerufen 10.10.2018)
ADAC Motorwelt, Nr. 7 vom 1. Juli 1960, S. 456ff und S. 513
auto motor und sport, Heft 12/1960, S. 40ff und S. 55
Behrend, M.; Födisch, J.-T.; Behrndt, M.: ADAC 1000km Rennen, Heel, 2008, ISBN 978-3-89880-903-0
Peter Higham: Guinness Guide To International Motor Racing, Guinness Publishing Ltd., ISBN 0-85112-642-1
Abbildung des Programmheftes mit freundlicher Genehmigung des ADAC e.V., München.