- Achtstundenfahrt des ADAC
- Langstreckenfahrt für kompressorlose Tourenwagen
- Gesamtstrecke
29. September 1929
Gebrauchswert statt Sprint: Der ADAC prüft 60 Wagen über acht Stunden
- 60 Fahrer starteten zur Achtstundenfahrt; 43 beendeten die Prüfung ohne Strafpunkte.
- Die 27-prozentige Steilstrecke stellte besonders kleine und schwächer motorisierte Wagen vor große Probleme.
- Mercedes-Benz, Röhr, NSU, Steyr und Hanomag blieben in der Teamwertung strafpunktefrei.
Am 29. September 1929 wurde auf dem Nürburgring die Achtstundenfahrt des ADAC ausgetragen. 78 Fahrer waren gemeldet, 61 erschienen zur Abnahme, 60 schließlich am Start. Anders als bei einem klassischen Rennen stand nicht die höchste Geschwindigkeit im Mittelpunkt. Die Teilnehmer mussten je nach Hubraumgruppe vorgegebene Stundenmittel einhalten und dabei eine Prüfung bewältigen, deren markanteste Hürde die 27 Prozent steile Rampe des Nürburgrings war.
Die 60 Wagen wurden in vier Wertungsgruppen eingeteilt. Gruppe I umfasste Fahrzeuge bis 1155 ccm, Gruppe II reichte von 1155 bis 2100 ccm, Gruppe III bis 3150 ccm und Gruppe IV bis 5250 ccm. Vorgeschrieben waren Stundenmittel von 48, 52, 58 und 62 km/h; für offene Wagen lagen die jeweiligen Vorgaben um 2 km/h höher. In der Praxis wurden diese Werte vielfach deutlich überschritten. Einzelne Teilnehmer kamen auf Stundenmittel von mehr als 70 km/h.
Die Steilstrecke als Prüfstein
Die 27-prozentige Steilstrecke erwies sich als entscheidende Belastungsprobe. Vor allem kleinere Wagen hatten Mühe, die Rampe zu bewältigen. Teilweise stiegen Fahrer aus und liefen neben ihren Wagen her, um Gewicht zu sparen. Doch auch größere Fahrzeuge kamen nur mühsam hinauf, wenn Gewicht und Motorleistung offenbar ungünstig zueinander standen. Hilfsmannschaften mit Bremsklötzen standen bereit, um Fahrzeuge zu sichern, die nicht mehr weiterkamen.
Bereits in der ersten Runde schieden an dieser Stelle ein D.K.W. und ein Opel aus. Wenig später traf es Schilling aus Mainz auf Lancia wegen eines Zylinderkerzendefekts. Felten auf Fiat erhielt einen Strafpunkt, Müller auf Talbot drei. Mit diesen Ausnahmen blieb das Feld in diesem Abschnitt zunächst ohne Strafpunkte.
Die Steilstrecke war auch Schauplatz eines schweren Unfalls im Training. Der BMW-Fahrer Heinz Heine kam mit seinem Wagen rückwärts ins Rutschen; das Fahrzeug überschlug sich und begrub ihn unter sich. Heine richtete sich zunächst noch auf, brach jedoch kurz darauf zusammen und starb, offenbar infolge schwerer innerer Verletzungen.
Ein weiterer Trainingsunfall verlief glimpflicher. Mercedes-Fahrer Walb wollte Hentschel auf Ford in einer Kurve überholen. Als Hentschel weiter nach außen zog, steuerte Walb seinen Wagen zur Vermeidung eines Zusammenstoßes in den Graben. Der Mercedes überschlug sich. Walb wurde leicht verletzt, sein Beifahrer schwer. Hentschel wurde disqualifiziert.
Tankstopps, Defekte und Ausfälle
Ab 12 Uhr nahm der Betrieb an der Sitztribüne zu. Mehrere Teilnehmer kamen zum Tanken herein. Rueff auf Wanderer verband seinen Stopp nach zweieinhalbstündiger Fahrt mit einem Reifenwechsel. Kurz nach 13 Uhr schied Biven aus Köln auf Imperia mit Differentialbruch aus.
In der zweiten Wertung verlor das in der schweren Klasse gemeldete Stoewer-Team seine bis dahin geschlossene Formation. Die drei Wagen der dritten Gruppe kamen zuvor gleichmäßig an Start und Ziel vorbei; die beiden führenden Teamfahrer Gikeleiter und Prinz v. d. Leyen blieben zusammen. Varges aus Hamburg konnte einen Zeitverlust infolge einer Benzinleitungsstörung nicht mehr aufholen und erhielt drei Strafpunkte. Dr. Winter aus Chemnitz auf Wanderer wurde mit 25 Strafpunkten, Kriegsmann aus Döbeln auf B.M.W. mit sechs Strafpunkten gewertet.
Kurz vor 14 Uhr musste Dr. Schmidt aus Nasloch auf Simson Supra nach einem Reifenschaden aufgeben. Etwa eine Stunde später folgte Simons aus Holland auf Bugatti mit Differentialbruch. Dr. Risse, der im Adler-Team fuhr, stürzte kurz hinter der Müllenbacher Kurve. Sein Wagen wurde zerstört, Fahrer und Beifahrer kamen mit unerheblichen Verletzungen davon. Bracks aus München überschlug sich mit seinem Tatra auf der Quiddelbacher Höhe und schied ebenfalls aus.
Am Ende hatten 43 der 60 gestarteten Fahrer die Achtstundenfahrt ohne Strafpunkte beendet. In der Teamwertung blieben Mercedes-Benz, Röhr, N.S.U., Steyr und Hanomag ohne Strafpunkte. Das Stoewer-Team wurde mit drei Strafpunkten geführt; über diese Wertung war noch ein Verfahren anhängig. Das Adler-Team war durch den Ausfall Dr. Risses gesprengt worden.
Die goldene ADAC-Medaille ging an alle nachfolgend aufgeführten Fahrer der vier Wertungsgruppen. Eine Rangfolge innerhalb dieser Gruppen wird nicht angegeben.
Wertungsgruppe IV
| Wagen | Fahrer |
|---|---|
| Mercedes-Benz | Rudolf Caracciola, Berlin; Otto Merz, Eßlingen; Wilhelm Sebastian, Mannheim |
| Stoewer | Artur Gikeleiter, Hamburg; Prinz v. d. Leyen, Schloß Waal; Otto Becker, Nordhausen |
| Cadillac | Hermann Baldus, Friedrichsthal |
| Nash | Otto Palm, Stuttgart |
| Buick | Heinrich Langsdorf |
| Ford | Alex Betzhold, Hannover; Ernst Magnus, Berlin; A. M. van der Meulen, Vestdyk |
| Chrysler | Kurt Könnecker, Hagen |
Wertungsgruppe III
| Wagen | Fahrer |
|---|---|
| Stoewer | Otto Fahrenkopf, Stettin; Herbert Jurinck, Stettin; Rudolf Ziehm |
| Austro Daimler | C. Delmann, Dortmund |
| Adler | Frau Roehrs, Hannover; Erwin Sander, Berlin |
| Simson-Supra | Ernst Kotte, Dresden |
| Mercedes-Benz | Rudolf Sauerwein, Main; Christian Werner, Enderbach |
| Wanderer | Otto Rueff, Cannstatt; Max Mader, Feuerbach |
| Lancia | Willem Greeve, Wassenaar (Holland) |
| Chevrolet | Carl von Guillaume, München |
| Graham-Paige | Kurt C. Volkhart, Düsseldorf |
| Röhr | Dr. Gehrmann, Ober-Ramstadt; Anton Nieß, Ober-Ramstadt; Philipp Hoffmann, Ober-Ramstadt |
| Citroën | Ludwig Krämer, Köln |
| Essex | Karl Burkart, Lörrach |
Wertungsgruppe II
| Wagen | Fahrer |
|---|---|
| NSU | Josef Müller, Düsseldorf; Georg Klöbl, Neckarsulm; Gottlieb Schroß, Weinsberg |
| Steyr | Paul Guillaume, Berlin; Heinrich Graf Schönfeld; Ladislaus Almasy |
| Chenard-Walcker | Fritz Wolff, Völklingen |
| Simson-Supra | Frau Kotte, Dresden |
Wertungsgruppe I
| Wagen | Fahrer |
|---|---|
| Hanomag | H. Buthenuth, Hannover; K. Habberle, Hannover; L. van Raffray, Hamburg |
Eine Prüfung mit technischem Anspruch
Die Achtstundenfahrt war ausdrücklich keine Jagd nach maximalen Rundenschnitten. Gerade die Kombination aus vorgegebenem Stundenmittel, Dauerbelastung und der nur 300 Meter langen, 27 Prozent steilen Rampe machte ihren Charakter aus. Das Publikum konzentrierte sich vor allem an dieser Steilstrecke, während die übrigen Zuschauerplätze und Tribünen deutlich schwächer besucht waren.
Mit 43 strafpunktefreien Fahrern und fünf strafpunktefreien Teams endete die Veranstaltung mit einer hohen Zahl erfolgreicher Teilnehmer. Gleichzeitig zeigten die Defekte, Ausfälle und Schwierigkeiten an der Steilstrecke, wie unterschiedlich die Fahrzeuge auf die besonderen Anforderungen dieser achtstündigen Gebrauchswertprüfung reagierten.
Zum Überblick "Chronologie 1929"
Quelle: Allgemeine Automobil-Zeitung, Nr. 20, 15. Oktober 1929, S. 14.

