- 5. Int. ADAC Eifelrennen 1931
- Veranstalter: ADAC Gau Rheinland (IV)
- Südschleife, 7,747 km
- 40 Runden = 309.9 km
- ca. 50.000 Zuschauer
- Wetter: wechselhaft, trocken beim Start, Schauer während des Rennens
07.06.1931
Caracciolas Taktik schlägt von Morgens Tempo
- 50.000 Zuschauer auf der Südschleife
- Bauhofer gewinnt das Motorradrennen
- Caracciola siegt mit besserer Strategie
Am 7. Juni 1931 wurde das 5. Internationale ADAC Eifelrennen auf der 7,747 Kilometer langen Südschleife des Nürburgrings ausgetragen. Rund 50.000 Zuschauer erlebten am Vormittag die Motorrad- und Seitenwagenrennen und am Nachmittag das Wagenrennen. Im Mittelpunkt standen Toni Bauhofers Sieg auf DKW sowie das Duell zwischen Rudolf Caracciola und Heinrich-Joachim von Morgen, das letztlich durch unterschiedliche Boxenstrategien entschieden wurde.
Ursprünglich war das Wagenrennen über 50 Runden vorgesehen, später wurde die Distanz auf 40 Runden und 309,9 Kilometer verkürzt. Auch die Preisvergabe orientierte sich an der Gesamtwertung: Nur die zehn schnellsten Wagenfahrer erhielten Geldpreise. Für den Sieger waren 4.000 Mark vorgesehen, für die folgenden Plätze 3.000, 2.000, 1.500, 1.250, 1.000, 750, 500, 300 und 200 Mark. Zusätzlich sollte der Gewinner den „Goldenen Nürburgring“ als Fingerring mit dem Siegertitel des ADAC-Eifelrennens für Rennwagen 1931 erhalten.
Mercedes gegen Bugatti
Für das Wagenrennen lagen 22 Meldungen vor: 14 Bugatti, vier Mercedes-Benz, zwei Amilcar sowie je ein Salmson und ein DKW. Zu den früh gemeldeten Fahrern gehörten Rudolf Caracciola und Manfred von Brauchitsch auf Mercedes-Benz. Von Brauchitsch hatte bereits Erfahrung bei Bergrennen gesammelt, trat hier aber erstmals über eine derart lange Renndistanz an. Die beiden weiteren Mercedes-Fahrer waren der 26-jährige Verleger Otto Spandel und Dr. Eugen Winter.
Winter war nach einem Unfall körperlich eingeschränkt und konnte beim Schalten nur einen Arm einsetzen. Seine Ehefrau begleitete ihn deshalb im Wagen, um ihn bei Schwierigkeiten unterstützen zu können. Die Mercedes traten 1931 nicht als geschlossenes Werksteam an; die vorhandenen Wagen wurden von Privatfahrern eingesetzt.
Auf Bugatti war das Aufgebot deutlich größer. Zum deutschen Bugatti-Team gehörten der Vorjahressieger Heinrich-Joachim von Morgen, Ernst-Günther Burggaller und Prinz Hermann zu Leiningen. Weitere Bugatti-Meldungen kamen von Albert Broschek, Willy Seibel, Hans Simons, Dr. Heinz Risse, Mathilde Schulz, Friedrich Dilthey, Josef Zigrand, Constant Knepper, Pierre Voigt, Marcel Boucly, Rudolf Städtgen und Fritz Kortylewski. August Frings und Carl Raetz waren auf Amilcar gemeldet. Hans Theisen trat mit einem DKW an; dieser Wagen fiel im Feld durch seine Kotflügel auf.
Die offiziellen Trainings fanden am Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils von 14 bis 18 Uhr statt. Die technische Abnahme der Wagen war für Samstag von 10 bis 12 Uhr im Nürburgring-Fahrerlager angesetzt.
Bauhofer übernimmt nach Rüttchens Zeitverlust
Der Renntag begann am Sonntag um 10 Uhr bei stark bewölktem Himmel. Rund 50.000 Besucher waren zum Nürburgring gekommen. Die teuren Tribünenplätze blieben teilweise frei, während sich viele Zuschauer an den Streckenabschnitten verteilten.
Anders als im Vorjahr wurden die Motorradklassen nicht in mehrere Einzelrennen aufgeteilt. 35 Motorräder und sieben Gespanne gingen gemeinsam in die Startaufstellung. Für die Solomaschinen waren 40 Runden vorgesehen; die am Ende des Feldes gestarteten Gespanne wurden nach 26 Runden abgewinkt.
Nach der ersten Runde führte Paul Rüttchen auf NSU. Dahinter folgten Toni Bauhofer auf DKW, Brand auf Victoria, Kratz auf BMW und Josef Klein auf Horex. Kratz hatte an seiner BMW die Vorderradbremse notdürftig instand setzen müssen. Die Reparatur hielt den Belastungen der Südschleife nicht stand; er stürzte und wurde leicht verletzt. Auch Rüttchen kam später von der Strecke ab. Er konnte weiterfahren, verlor dabei jedoch rund fünf Minuten und damit die Führung.
Bauhofer nutzte den Zeitverlust des bis dahin führenden Rüttchen und übernahm die Spitze. Er brachte die verbliebenen Runden ohne erneuten Führungswechsel zu Ende. Rüttchen verkürzte seinen Rückstand noch deutlich, musste sich aber mit Platz zwei begnügen; Josef Klein wurde Dritter. Bauhofer benötigte für die 40 Runden 3:07.11,1 Stunden.
Bei den Gespannen gewann Josef Möritz auf Victoria die Klasse bis 1000 ccm nach 26 Runden in 2:17.04,0 Stunden. Paul Schneider war in der Klasse bis 350 ccm erfolgreich. Nach den Motorrad- und Seitenwagenrennen folgte eine Pause von ungefähr einer Stunde, bevor sich das Wagenfeld für das Hauptrennen aufstellte.
Ergebnis Motorräder Plätze 1-3
| # | Fahrer | Motorrad | Rnd. | Zeit (h) | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Toni Bauhofer | DKW | 40 | 3:07:11.1 | |
| 2 | Paul Rüttchen | NSU | 40 | 3:08:48.3 | |
| 3 | Josef Klein | Horex | 40 | 3:11:28.3 |
Ergebnis Seitenwagen bis 350 ccm Platz 1
| # | Fahrer | Motorrad | Rnd. | Zeit (h) | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Paul Schneider | Veloctte | 26 | 2:27:25.3 |
Ergebnis Seitenwagen bis 1000 ccm Plätze 1-3
| # | Fahrer | Motorrad | Rnd. | Zeit (h) | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Josef Möritz | Victoria | 26 | 2:17:04.0 | |
| 2 | Paul Weyres | Harley-Davidson | 26 | 2:23:49.2 | |
| 3 | Willy Ehrlenbruch | Tornax | 26 | 2:38:12.2 |
Caracciola und von Morgen bestimmen das Wagenrennen
Zum Wagenrennen traten 16 Fahrer an. Das Feld bestand aus drei großen Mercedes-Benz, elf Bugatti, einem Amilcar und einem DKW. Die Aufstellung erfolgte nach den vergebenen Startnummern. Heinrich-Joachim von Morgen stand mit der Nummer 1 in der ersten Reihe, Rudolf Caracciola mit der Nummer 5 dahinter. Sechs der 22 gemeldeten Fahrer traten nicht an; ihre Plätze in der Aufstellung blieben frei.
Um 14.30 Uhr wurde das Rennen gestartet. Von Morgen behauptete die Spitze zunächst nur kurz, dann zog Caracciola noch vor der Südkehre vorbei. Regen setzte ein. Constant Knepper kam mit seinem Bugatti bereits nach weniger als einem Kilometer in einer Rechtskurve von der Strecke ab und überschlug sich. Manfred von Brauchitsch konnte ausweichen. Knepper erlitt eine leichte Stirnverletzung; später wurde eine leichte Gehirnerschütterung festgestellt.
In der zweiten Runde eroberte von Morgen die Führung zurück, eine Runde später lag Caracciola wieder vorn. Hinter den beiden folgten Burggaller, von Brauchitsch und zu Leiningen. Nach zehn Runden lag Caracciola zwei Sekunden vor von Morgen; bis dahin wurde für ihn ein Schnitt von 108,5 km/h angegeben. In Runde 15 hatte von Morgen die Spitze wieder übernommen. Für diese Runde wurden 109,9 km/h für den Bugatti und 109,7 km/h für Caracciola angegeben. Von Brauchitsch hatte sich zu diesem Zeitpunkt auf Rang drei vorgearbeitet.
Der Boxenstopp bringt die Entscheidung
Die entscheidende Phase begann in Runde 22. Von Morgen war mit wenig Kraftstoff gestartet und musste nun zum Tanken und Reifenwechsel an die Box. Der Stopp dauerte 2 Minuten und 47 Sekunden. Caracciola blieb dagegen auf der Strecke und setzte das Rennen ohne Boxenstopp fort. Nach von Morgens Halt betrug sein Vorsprung fast eine halbe Runde.
Von Morgen gab die Aufholjagd nicht auf. Bis Runde 25 hatte er bereits neun Sekunden der beim Stopp verlorenen Zeit zurückgewonnen. Prinz zu Leiningen schied in dieser Phase aus und stellte seinen Bugatti an der Kehre Scharfer Kopf ab. Mathilde Schulz musste ihren 1,5-Liter-Bugatti in Runde 30 mit Motorschaden aufgeben. Auch Ernst-Günther Burggaller erreichte das Ziel nicht.
Von Morgen verkürzte den Abstand weiter, kam aber nicht mehr in Schlagdistanz. Caracciola gewann nach 40 Runden in 2:50.47,2 Stunden. Von Morgen wurde mit rund 2 Minuten und 20 Sekunden Rückstand Zweiter, Manfred von Brauchitsch belegte Rang drei. Es folgten Willy Seibel, Eugen Winter, Josef Zigrand, Heinz Risse, Fritz Kortzylewski, Rudolf Stadtgen und Hans Theisen. Die schnellste Runde des Wagenrennens ging an von Morgen mit 110,4 km/h.
Damit entschied nicht die schnellste Einzelrunde das Eifelrennen. Caracciola brachte seinen Mercedes ohne Tank- oder Reifenstopp über die 40 Runden und verwandelte diesen strategischen Vorteil in den Sieg, während von Morgen die beim Halt verlorene Zeit trotz seiner Aufholjagd nicht mehr vollständig wettmachen konnte.
| Pole-Position | #1, Heinrich-Joachim von Morgen, Automobiles Ettore Bugatti, Bugatti T35B |
| Gestartet | 16 |
| Gewertet | 10 |
| Nicht gewertet | 6 |
| Sieger | #5, Rudolf Caracciola, Privatfahrer, Mercedes-Benz SSKL, 40 Runden, 2:50.47,2 Std = 109,6 km/h |
| Schnellste Runde | #1, Heinrich-Joachim von Morgen, Automobiles Ettore Bugatti, Bugatti T35B, 110,4 km/h |
Ergebnis Wagenrennen
| # | Team | Fahrer | Wagen | Rnd. | Zeit (h) | Rückst. (h) | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 5 | Privatfahrer | Rudolf Caracciola | Mercedes-Benz SSK | 40 | 2:50:47,2 | |
| 2 | 1 | Automobiles Ettore Bugatti | Heinrich-Joachim von Morgen | Bugatti T35B | 40 | 2:53:06.4 | 0:02:19,2 |
| 3 | 6 | Privatfahrer | Manfred von Brauchitsch | Mercedes-Benz SSK | 40 | 3:00:22.3 | 0:09:35,1 |
| 4 | 17 | Privatfahrer | Willy Seibel | Bugatti T37 | 40 | 3:16:56.3 | 0:26:09,1 |
| 5 | 7 | Privatfahrer | Eugen Winter | Mercedes-Benz SSK | 40 | 3:21:12.2 | 0:30:59,0 |
| 6 | 9 | Privatfahrer | Josef Zigrand | Bugatti T35B | 40 | 3:29:27.1 | 0:38:39,9 |
| 7 | 18 | Privatfahrer | Heinz Risse | Bugatti T37 | 40 | 3:37:05.5 | 0:46:17,8 |
| 8 | 19 | Privatfahrer | Fritz Kortzylewski | Bugatti T37 | 40 | 3:43:24.2 | 0:52:37,1 |
| 9 | 14 | Privatfahrer | Rudolf Stadtgen | Bugatti T35C | 40 | 4:05:40.2 | 1:14:53,1 |
| 10 | 23 | Privatfahrer | Hans Theisen | DKW (0,5 Liter) | 40 | 4:24:44.2 | 1:33:57,0 |
| Nicht gewertet | |||||||
| 2 | Automobiles Ettore Bugatti | Ernst-Günther Burggaller | Bugatti T35B | 33 | Motor | ||
| 16 | Privatfahrer | Mathilde Schulz | Bugatti T37 | 29 | Motor | ||
| 3 | Automobiles Ettore Bugatti | Hermann zu Leiningen | Bugatti T35B | 25 | |||
| 20 | Privatfahrer | Fritz Dilthey | Bugatti T22 | ||||
| 22 | Privatfahrer | August Frings | Amilcar | ||||
| 10 | Privatfahrer | Constant Knepper | Bugatti T43A | Unfall | |||
| Nicht gestartet/nicht erschienen | |||||||
| 4 | N/A | Albert Broschek | Bugatti T35B | ||||
| 8 | N/A | H. Lauenstein | Mercedes-Benz SSK | ||||
| 11 | N/A | Pierre Voigt | Bugatti T35C | ||||
| 12 | N/A | Marcel Boucly | |||||
| 15 | N/A | Hans Simons | Bugatti T37 | ||||
| 21 | N/A | Carl Raetz | Amilcar | ||||
Das fünfte Eifelrennen auf der Südschleife wurde damit von zwei unterschiedlichen Wendepunkten geprägt: Bei den Motorrädern nutzte Bauhofer den Zeitverlust des zuvor führenden Rüttchen, im Wagenrennen machte Caracciolas Fahrt ohne Boxenstopp den entscheidenden Unterschied gegenüber von Morgen.
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Text: Christoph de Haar
Teaserfoto: Daimler AG
Quellen und Links:
ADAC Motorwelt, 28. Jahrgang 1931, Nr. 24, S. 7ff.
Behrndt, Mi./Födisch, J-T./Behrndt, Ma.: ADAC Eifelrennen, Heel, 2009, ISBN 978-3-86852-070-5
Ludvigsen, K.: Die deutsche Rennsportgeschichte, GeraMond, 2012, ISBN 978-3-86245-674-1
kolumbus.fi/leif.snellman (abgerufen am 22.12.2018)
driverdb.com (abgerufen am 22.12.2018)
teamdan.com (abgerufen am 22.12.2018)
Abbildung des Programmhefts mit freundlicher Genehmigung des ADAC e.V., München

