- XII. Großer Preis von Deutschland
- Veranstalter: Oberste Nationale Sportbehörde für die Deutsche Kraftfahrt (ONS)
- Gesamtstrecke: 22,810 km
- 22 Runden = 501,82 km
- Wetter: nass
23. Juli 1939
Caracciola gewinnt im Regen – Pietsch überrascht im Maserati
- Hermann Lang setzt im Training mit 9:43,1 Minuten die Bestzeit
- Paul Pietsch übernimmt nach den frühen Mercedes-Problemen zeitweise die Führung
- Von vier Mercedes-Benz und fünf Auto Union bleibt am Ende jeweils nur ein Wagen im Rennen.
Der XII. Große Preis von Deutschland wurde am 23. Juli 1939 auf dem Nürburgring ausgetragen. Über 22 Runden entwickelte sich ein Rennen, dessen Verlauf stark vom Wetterwechsel gegenüber dem Training und von technischen Problemen geprägt wurde. Rudolf Caracciola gewann auf Mercedes-Benz vor Hermann Müller auf Auto Union und Paul Pietsch auf Maserati. Besonders Pietsch setzte früh ein sportliches Ausrufezeichen, während mehrere favorisierte Werkswagen bereits in der ersten Rennhälfte aus dem Kampf um den Sieg verschwanden.
Lang setzt die Trainingsbestzeit – Pietsch nutzt die Probleme
Im Training hatte Hermann Lang das Tempo vorgegeben. Mit 9:43,1 Minuten lag er vor Manfred von Brauchitsch mit 9:51 Minuten und Caracciola mit 9:56 Minuten. Hermann Müller war mit 9:59,3 Minuten der schnellste Auto-Union-Fahrer. Langs Runde lag nach einem zeitgenössischen Bericht drei Sekunden unter dem bisherigen inoffiziellen Trainingsrekord. Tazio Nuvolaris Vorbereitung wurde durch einen Fahrzeugbrand erschwert; sein Wagen konnte noch rechtzeitig für das Rennen instand gesetzt werden.
Zum Start traten 17 Fahrzeuge an. Auto Union brachte fünf Wagen ins Rennen, Mercedes-Benz vier. Lang setzte sich unmittelbar an die Spitze und baute seinen Vorsprung bis zur zweiten Runde auf 45 Sekunden aus. Dahinter rückte Pietsch im Maserati auf den zweiten Platz vor. Doch die Bedingungen hatten sich gegenüber dem warmen Training verändert. Wiederholter Regen machte die Strecke rutschig, und bei mehreren Fahrzeugen passte die zuvor gewählte Abstimmung der Gemischaufbereitung nicht mehr.
Lang und von Brauchitsch mussten früh an die Box. Während Lang aufgab, wurde von Brauchitsch später wegen eines undichten Zusatztanks aus dem Rennen genommen. Pietsch nutzte die Situation und übernahm vorübergehend die Führung. Nuvolari arbeitete sich ebenfalls nach vorn und ging noch vor dem Karussell an die Spitze. Stuck schied nach einer gebrochenen Benzinleitung aus, Sommers Alfa Romeo nach Zündproblemen.
Auch Heinz Brendel zeigte in dieser Phase hohes Tempo. Mercedes-Teamleiter Neubauer wollte ihn an die Box holen, damit Lang den Wagen übernehmen konnte. Brendel kam jedoch nicht herein und landete kurz darauf an der Wehrseifer S-Kurve im Graben. Damit blieb Caracciola schließlich als einziger Mercedes im Rennen, während Auto Union zu diesem Zeitpunkt noch mehrere Fahrzeuge im Kampf hatte.
Mehrere Führungswechsel vor Caracciolas Entscheidung
Bemerkenswert war, wie häufig sich das Kräfteverhältnis im Verlauf des Rennens verschob. Zunächst hatte Lang das Geschehen bestimmt, nach den frühen Mercedes-Problemen rückte Pietsch im Maserati überraschend bis an die Spitze vor. Auch Nuvolari führte, später lag während der Boxenstoppphase Hasse vorn. Erst als Caracciola in der zwölften Runde wieder an Müller vorbeiging und Hasse eine Runde später im Regenschauer von der Strecke abkam, nahm das Rennen seine endgültige Richtung.
Caracciola hatte bereits in der sechsten Runde die Führung übernommen, als Nuvolari an die Box kam. Nach neun Runden stoppte er selbst zum Nachtanken sowie für Reifen- und Zündkerzenarbeiten. Müller war nach seinem eigenen Stopp früher wieder auf der Strecke, und Rudolf Hasse übernahm für Auto Union die Spitze. Zur Rennhalbzeit lautete die Reihenfolge Hasse, Müller, Caracciola und Nuvolari.
In der zwölften Runde zog Caracciola wieder an Müller vorbei. Eine Runde später verlor Hasse während eines weiteren Regenschauers die Kontrolle und kam von der Strecke ab. Georg Meier schied ebenfalls aus; als Ursache wurde eine gebrochene Vorderachse genannt, die nach dem Rennen offenbar unbeschädigt war. Pietsch kam ebenfalls von der Strecke ab, konnte jedoch weiterfahren und seinen Maserati an die Box zurückbringen.
Nuvolari erreichte die Box später mit stark dampfendem Motor und schied aus. Caracciola hielt seinen Vorsprung und brachte den Sieg vor Müller und Pietsch ins Ziel. Kurz vor Schluss wurde für ihn eine schnellste Runde mit 131,5 km/h verzeichnet. Von den vier gestarteten Mercedes-Benz war am Ende nur noch Caracciola im Rennen, von den fünf Auto Union nur Müller. Die drei Delahaye liefen dagegen im hinteren Teil des verbliebenen Feldes konstant weiter.
Der Rennverlauf war damit weniger durch eine durchgehende Dominanz als durch Wetter, Boxenstopps, technische Probleme und wiederholte Führungswechsel geprägt. Lang hatte zunächst klar geführt, Pietsch die Probleme der Werkswagen konsequent genutzt und zeitweise selbst an der Spitze gelegen. Caracciola setzte sich schließlich in der zweiten Rennhälfte durch.
Mit diesem Rennen endete ein herausragendes Kapitel des Grand Prix Sports auf dem Nürburgring. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs brachte alle motorsportlichen Aktivitäten in der Eifel zum erliegen.
| Gemeldet | 21 |
| Pole Position | #16, Hermann Lang, Mercedes-Benz, 9:43,1 Min. |
| Gestartet | 17 |
| Gewertet | 7 |
| Nicht gewertet | 10 |
| Sieger | #16, Rudolf Caracciola, Mercedes Benz, Mercedes-Benz W163, 22 Runden, 4:08:41,4 h = 121,2 km/h |
| Schnellste Runde | #16, Rudolf Caracciola, Mercedes Benz, Mercedes-Benz W163, 10:24,2 min = 131,5 km/h |
Gesamtergebnis
| # | Konstrukteur | Fahrer | Wagen | Runden | Zeit (h) | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 16 | Mercedes-Benz | Rudolf Caracciola | Mercedes-Benz W154 (Continental) | 22 | 4:08:41,4 |
| 2 | 6 | Auto Union | Hermann Paul Müller | Auto Union D (Continental) | 22 | 4:09.36,9 |
| 3 | 32 | Maserati | Paul Pietsch | Maserati 8CTF | 21 | + 1 Runde |
| 4 | 24 | Delahaye | René Dreyfus | Delahaye T145 | 20 | + 2 Runden |
| 5 | 26 | Delahaye | „Raph“ | Delahaye T145 | 19 | + 3 Runden |
| 6 | 28 | Delahaye | Robert Mazaud | Delahaye T135CS | 19 | + 3 Runden |
| 7 | 40 | Maserati | Leonhard Joa | Maserati 4CM | 19 | + 3 Runden |
| Nicht gewertet | ||||||
| 2 | Auto Union | Tazio Nuvolari | Auto Union D (Continental) | 18 | Motor | |
| 8 | Auto Union | Rudolf Hasse | Auto Union D (Continental) | 11 | Unfall | |
| 10 | Auto Union | Georg Meier | Auto Union D (Continental) | 11 | Radaufhängung | |
| 30 | Maserati | Luigi Villoresi | Maserati 8CTF | 6 | Dreher | |
| 14 | Mercedes-Benz | Manfred von Brauchitsch | Mercedes-Benz W163 (Continental) | 6 | Kraftstofftank | |
| 22 | Mercedes-Benz | Heinz Brendel | Mercedes-Benz W163 (Continental) | 3 | Unfall | |
| 16 | Mercedes-Benz | Hermann Lang | Mercedes-Benz W163 (Continental) | 2 | Motor | |
| 22 | Alfa Romeo | Raymond Sommer | Alfa Romeo 308 | 0 | Motor | |
| 4 | Auto Union | Hans Stuck | Auto Union D (Continental) | 0 | Kraftstoffleitung | |
| Ausgeschlossen | ||||||
| 36 | Maserati | Adolfo Mandirola | Maserati 6CM | 8 | falscher Tankvorgang | |
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Quellen und Literatur:
Deutsche Kraftfahrt, Nr. 8 vom 1. August 1939, Seiten 17–18.
Motor Sport Magazine, August 1939, Seite 6: „Mercedes-Benz Hat Trick“
The Golden Era of Grand Prix Racing: „1939 Grand Prix Season – Part 5“, Abschnitt XII
Reuß, E.: Grand Prix – 70 Jahre Großer Preis von Deutschland, Motorbuch Verlag, 1997, ISBN 3-613-01836-5
Peter Higham: Guinness Guide To International Motor Racing, Guinness Publishing Ltd., ISBN 0-85112-642-1
Wikipedia (abgerufen 01.12.2018)
Driverdatabase (abgerufen 01.12.2018)

