17. Int. ADAC-Eifel-Rennen 1954

  • 17. Int. ADAC-Eifel-Rennen 1954
  • Veranstalter: ADAC e.V., München
  • Nordschleife

Rekorde und große Kulisse beim Eifelrennen

  • Eifelrennen vom 20. bis 23. Mai 1954 auf dem Nürburgring
  • Motorrad- und Automobilrennen auf der Nordschleife
  • Zahlreiche neue Rekorde bei idealen Bedingungen

Das XVII. Internationale ADAC-Eifelrennen machte den Nürburgring vom 20. bis 23. Mai 1954 erneut zum Treffpunkt des deutschen und internationalen Motorsports. Nach Training und Vorabnahme am Donnerstag und Freitag folgten am Samstag die letzten Trainingssitzungen und mit dem Lauf der Motorräder bis 125 ccm bereits das erste Rennen. Der Sonntag gehörte schließlich einem umfangreichen Programm aus Motorrad-, Seitenwagen-, Sportwagen- und Formel-3-Rennen.

Nach wechselhaften Bedingungen während der ersten Trainingstage zeigte sich das Wetter am Rennwochenende von seiner besseren Seite. Die ADAC Motorwelt berichtete von Hunderttausenden Zuschauern und idealem Rennwetter. Viele Besucher hatten bereits in der Nacht rund um die Nordschleife ihre Lager aufgeschlagen. Am Sonntag begrüßte ADAC-Sportpräsident Jules Köther die Fahrer und Zuschauer. Zu den Gästen gehörten Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm als Protektor der Veranstaltung sowie eine Delegation des Königlichen Norwegischen Automobil-Clubs.

Rekordzeiten auf zwei Rädern

Bereits am Samstagnachmittag begann das Rennprogramm. Um 16 Uhr gingen die Motorräder der Klasse über 100 bis 125 ccm auf ihre fünf Runden und damit 114,05 Kilometer lange Distanz. Rupert Hollaus sorgte dabei für eine Überraschung. Der junge Österreicher gewann auf seiner NSU-Rennfox in 1:00:17,5 Stunden vor Werner Haas und H. P. Müller. Mit einem Schnitt von 113,5 km/h stellte Hollaus einen neuen Rekord auf.

Am Sonntag folgten die weiteren Motorradklassen. Die trockene Strecke ermöglichte schnelle Runden und neue Bestmarken. In der Viertelliterklasse gewann Werner Haas auf NSU mit einem Schnitt von 123,6 km/h. Bei den Maschinen bis 350 ccm setzte sich Karl Hofmann auf DKW durch, während Ray Amm aus Rhodesien die Halbliterklasse auf Norton gewann. Amm benötigte für die sechs Runden 1:06:07,8 Stunden und erreichte einen Schnitt von 124,2 km/h.

Für Auto Union verlief der Auftritt der Dreizylinder-Zweitakt-DKW erfolgreich. Zwar musste Siegfried Wünsche bereits in der ersten Runde mit Motorproblemen aufgeben, doch Karl Hofmann gewann vor seinem Markenkollegen August Hobl, der sich trotz eines rund zehnminütigen Boxenaufenthaltes wieder auf den zweiten Platz vorarbeitete. Gerhard Bodmer komplettierte den DKW-Erfolg als Dritter.

Auch die Seitenwagengespanne boten einen engen Kampf. Eric Oliver und Beifahrer Les Nutt setzten sich auf ihrer verkleideten Norton gegen die BMW-Mannschaft Wilhelm Noll/Fritz Cron durch. Beide Teams wurden im Ergebnis mit einem Durchschnitt von 113,4 km/h geführt. Fritz Hillebrand und Manfred Grunwald belegten auf BMW den dritten Rang.

Vier Räder übernehmen am Nachmittag

Ab 14.45 Uhr gehörte die Nordschleife den Automobilen. Zunächst starteten die Seriensport- und Grand-Tourisme-Wagen bis 1300 und 1600 ccm über fünf Runden. In der kleineren Klasse gewann Friedrich Victor Rolff aus Weiden bei Köln auf Porsche. Bei den Fahrzeugen bis 1600 ccm setzte sich Joseph Jeser aus Tübingen ebenfalls auf Porsche durch. Zweiter wurde der aus Brühl stammende Wolfgang Graf Berghe von Trips.

Um 15.50 Uhr folgte der abschließende Lauf der Rennsportwagen bis 1500 ccm und der Formel-3-Rennwagen. Karl-Günther Bechem sorgte mit dem Borgward für den Sieg bei den Rennsportwagen. In 57:59,1 Minuten absolvierte er die 114,05 Kilometer mit einem Durchschnitt von 118,0 km/h.

Eine ungewöhnliche Entscheidung erlebten die Zuschauer in der Formel 3. Stuart Lewis-Evans lag mit seinem Cooper lange an der Spitze und schien bereits auf dem Weg zum Sieg, als sein Wagen wenige hundert Meter vor dem Ziel ausrollte. Lewis-Evans versuchte, den Rennwagen bis zur Ziellinie zu schieben. Stirling Moss und Theo Helfrich zogen noch vorbei, ehe der erschöpfte Brite seinen Cooper als Dritter über die Linie brachte. Moss gewann auf Cooper-Norton.

Gegen 17 Uhr war das sportliche Programm beendet. Am Abend folgte im Sporthotel „Tribüne“ die Siegerehrung. Werner Haas und Karl-Günther Bechem erhielten eine vom Bundesverkehrsminister gestiftete Ehrenmedaille. Ray Amm und Bechem wurden zudem mit dem traditionellen Goldenen Ring des Nürburgrings ausgezeichnet.

Zeitplan* 

Donnerstag, 20. Mai 1954
07.30 bis 16.30 Uhr Vorabnahme  
08.00 bis 17.30 Uhr Training  
Freitag, 21. Mai 1954
07.30 bis 16.30 Uhr Vorabnahme  
08.00 bis 17.30 Uhr Training  
Samstag, 22. Mai 1954
08.00 bis 14.30 Uhr Training  
09.00 bis 12.00 Uhr Motorräder ohne und mit Seitenwagen | Abnahme  
13.00 bis 17.00 Uhr Wagen | Abnahme  
16.00 Uhr Motorräder Klasse über 100 bis 125 ccm | Rennen | 5 Runden = 114.05 km  
Sonntag, 23. Mai 1954
10.00 Uhr Motorräder mit Seitenwagen Klasse über 350 bis 500 ccm | Rennen | 5 Runden = 114.05 km  
11.30 Uhr Motorräder Klasse über 250 bis 350 ccm | Rennen | 6 Runden = 136,86 km  
13.10 Uhr Motorräder Klasse über 125 bis 250 ccm und Klasse über 350 bis 500 ccm | Rennen | 6 Runden = 136.86 km   
14.45 Uhr Seriensport- und GT-Wagen bis 1300 ccm und Wagen bis 1600 ccm | Rennen | 5 Runden = 114.05 km Rennbericht (17. Int. ADAC-Eifel-Rennen 1954 – Serien-Sportwagen und Grand Tourisme – Rennen)
15.50 Uhr Rennsportwagen bis 1500 ccm und Rennwagen Formel 3 | Rennen | 5 Runden = 114.05 km Rennbericht (17. Int. ADAC-Eifel-Rennen 1954 – Rennsportwagen 1500 ccm und Formel 3 – Rennen)
ca. 17.00 Uhr Ende  
20.00 Uhr Sporthotel "Tribüne" des Nürburgrings  

Ergebnisse Motorräder (Auszug)

Solomaschinen bis 125 ccm, 5 Runden = 114,05 km 

 FahrerMotorradGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Rupert Hollaus, Österreich NSU-Rennfox 1:00.17,5 113,5 (neuer Rekord)
2. Werner Haas, Augsburg NSU-Rennfox   111,8
3. H. P. Müller, Ingolstadt NSU-Rennfox   111,3
4. Hans Baltisberger, Reutlingen NSU-Rennfox   106,0
5. Horst Fügner, Chemnitz Ifa   102,4
6. Bernhard Petruschke, Klein-Machnow Ifa   102,4

Solomaschinen bis 250 ccm, 6 Runden = 136,86 km

 FahrerMotorradGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Werner Haas, Augsburg NSU 1:06.29,2 123,6 (neuer Rekord)
2. Rupert Hollaus, Österreich NSU   123,0
3. H. P. Müller, Ingolstadt NSU   122,1
4. Karl Lottes, Erndtebrück DKW   114,4
5. Helmut Hallmeier, Nürnberg Adler   114,0
6. Hubert Luttenberger, Neu-Bamberg Adler   112,2

Solomaschinen bis 350 ccm, 6 Runden = 136,86 km

 FahrerMotorradGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Karl Hofmann, Ingolstadt DKW 1:07.40,6 121,3 (neuer Rekord) 
2. August Hobl, Ingolstadt DKW   119,3
3. Gerhard Bodmer, Ingolstadt DKW   116,4
4. Fritz Kläger, Freiburg Horex   115,8
5. Ray Amm, Rhodesien Norton   115,0
6. Hans-Günther Jäger, Trier AJS   114,5

Solomaschinen bis 500 ccm, 6 Runden = 136,86 km 

 FahrerMotorradGesamt (h)Schnitt (km/h)
1. Ray Amm, Rhodesien Norton 1:06.07,8 124,2 (neuer Rekord)
2. Georg Braun, Hechingen Horex   123,0
3. Hans Meier, München BMW   122,3
4. Karl Lührschneck, Nürnberg Norton   120,3
5. Piet Knijnenburg, Holland BMW   119,1
6. Gert von Woedtke, Helmstedt Norton   118,9

Seitenwagengespanne bis 500 ccm, 5 Runden = 114,05 km

 FahrerMotorradGesamt (h)Schnitt (km/h)
1.  Oliver/Nutt, England Norton 1:00.21,3 113,4 (neuer Rekord)
2. Noll/Cron, Kirchhain BMW   113,4
3. Hillebrand/Grunwald, Amberg BMW   112,0
4. Smith/Dibben, England Norton   109,6
5. Drion/Inge Stoll, Frankreich Norton   106,8
6. Schneider/Strauß, Weidenau BMW   105,4

Programmheft: 17. Int. ADAC-Eifel-Rennen 1954Zur Übersicht "Chronologie 1954"


Quelle: Programmheft der Veranstaltung
ADAC Motorwelt 6/1954, Seiten 410f, 417
Abbildung des Programmhefts mit freundlicher Genehmigung des ADAC Nordrhein e.V., Köln
* vorläufiger Zeitplan, Zeiten können abweichen