- 10. Großer Preis von Deutschland
- Grand-Prix-Europameisterschaft
- Veranstalter: Oberste Nationale Sportbehörde für die Deutsche Kraftfahrt (ONS)
- Nordschleife, 22810 m
- 22 Runden = 501,82 km
25. Juli 1937
Mercedes-Doppelsieg am Nürburgring – Rosemeyer kämpft sich auf Platz drei
- Caracciola siegt in 3:46.00,1 Stunden und erzielt mit 133,2 km/h einen neuen Streckenrekord.
- Rosemeyer verliert durch einen Schaden an Hinterrad und Radnabe viel Zeit, fährt aber noch auf Platz drei und setzt in Runde 21 die schnellste Rennrunde.
- Der Unfall von von Delius und Seaman bei Antoniusbuche überschattet den Grand Prix; von Delius stirbt am folgenden Morgen in Bonn.
Der zehnte Große Preis von Deutschland für Rennwagen wurde am 25. Juli 1937 auf dem Nürburgring ausgetragen. Über 22 Runden auf der 22,81 Kilometer langen Nordschleife standen 501,82 Kilometer auf dem Programm. Bei gutem Wetter setzte sich Caracciola im Mercedes-Benz vor von Brauchitsch durch; Rosemeyer brachte den Auto-Union trotz erheblicher Rückschläge noch auf Rang drei. Der sportliche Ausgang wurde jedoch von dem schweren Unfall zwischen von Delius und Seaman überschattet. Von Delius erlag am Morgen des 26. Juli in einem Bonner Krankenhaus seinen Verletzungen.
Mercedes-Benz trat mit einer veränderten Kompressoranordnung an. Der Kompressor saß nun zwischen Vergaser und Motor; das System war zuvor bereits bei Rennen auf dem Roosevelt Raceway und in Spa eingesetzt worden. Erstmals wurde die Startaufstellung nach den Trainingszeiten ermittelt, wobei Bernd Rosemeyer mit einer Zeit von 9:46,2 Minuten die schnellste Runde drehte und die beste Startposition sicherte. Direkt hinter ihm reihte sich Hermann Lang, gefolgt von den beiden Mercedes-Piloten Caracciola und von Brauchitsch ein. Die schnelle Zeit von Lang, die ihn mit 9:52,2 Minuten auf den zweiten Platz katapultierte, sorgte für Unmut unter seinen erfahrenen Teamkollegen, die ihn als „Emporkömmling“ betrachteten, weil er zuvor als Mechaniker gearbeitet hatte. Sie vermuteten, er sei vom Team aufgrund seiner Herkunft bevorzugt worden. Insgesamt gingen 26 Fahrer ins Rennen. Mercedes-Benz und Auto-Union stellten jeweils fünf Wagen. Das internationale Feld umfasste außerdem unter anderem Nuvolari, Farina und Trossi im Alfa Romeo sowie die Privatfahrer Balestrero, Raymond Sommer und Ruesch im Alfa Romeo und Severi und Cortese im Maserati.
Rosemeyer übernimmt die Spitze – und verliert viel Zeit
Kurz nach dem Start lagen in der Südkehre Lang und Caracciola im Mercedes-Benz vorn, dahinter folgten Rosemeyer und Müller; von Brauchitsch lag zu diesem Zeitpunkt an fünfter Stelle und setzte zur Überholung an. Am Ende der Startrunde führte Lang vor Rosemeyer, Caracciola und von Brauchitsch. In der zweiten und dritten Runde übernahm Rosemeyer die Führung, während Caracciola, von Brauchitsch und Lang dicht hinter ihm blieben.
In der vierten Runde wurde Rosemeyers Rennen erstmals entscheidend zurückgeworfen. Am linken Hinterrad waren Schäden aufgetreten; das Rad kam stark beschädigt an die Box. Zusätzlich bereitete die Radnabe Schwierigkeiten, weil ein Gewinde beschädigt war. Der Stopp kostete mehr als zwei Minuten und warf Rosemeyer bis auf Platz elf zurück. In derselben Runde schied Stuck mit einem undichten Kompressor aus. Müller kollidierte bei einem Überholversuch mit einer Streckenbegrenzung. Er blieb unverletzt, doch sein Wagen war nicht mehr einsatzfähig.
Nach fünf Runden passierten Caracciola, von Brauchitsch, Lang, Seaman, von Delius, Hasse, Kautz, Nuvolari, Farina und Rosemeyer in dieser Reihenfolge die Tribünen. Seaman und von Delius kämpften um den vierten Platz. In Runde sieben eskalierte dieses Duell auf der Geraden bei Antoniusbuche. Bei einem Überholvorgang gerieten beide Wagen außer Kontrolle. Von Delius wurde schwer verletzt; Seaman erlitt einen Armbruch und weitere Verletzungen. Das Rennen wurde fortgesetzt, doch die Folgen dieses Unfalls bestimmten den Tag weit über den Zieleinlauf hinaus.
Caracciola hatte in dieser Phase seinen ersten planmäßigen Reifenstopp absolviert und Lang kurzzeitig die Führung überlassen. Schon am Ende der neunten Runde lag Caracciola wieder vorn, neun Sekunden vor Lang und 37 Sekunden vor von Brauchitsch. Nuvolari hatte sich zu diesem Zeitpunkt mit dem Alfa Romeo auf Rang vier vorgeschoben. Später rückte er während weiterer Boxenstopps zeitweise noch weiter nach vorn. Caracciolas erster planmäßiger Halt dauerte 39 Sekunden, von Brauchitsch benötigte bei einem seiner Stopps 31 Sekunden. Lang war bei einem weiteren Halt nach 30 Sekunden wieder unterwegs; Nuvolaris Wechsel aller vier Räder dauerte eine Minute.
Rosemeyer begann unterdessen seine Aufholjagd. Trotz weiterer Reifenprobleme arbeitete er sich wieder durch das Feld. Zur Rennmitte führte Caracciola vor von Brauchitsch und Lang. Nuvolari lag auf Rang vier, Rosemeyer auf fünf und Hasse auf sechs. Evans hatte sich nach vorn gearbeitet und absolvierte nach elf Runden seinen ersten Tankstopp.
Lang fällt zurück, Rosemeyer fährt die schnellste Runde
In der zweiten Rennhälfte blieb die Mercedes-Spitze zunächst eng beisammen. Von Brauchitsch übernahm während eines Caracciola-Stopps vorübergehend die Führung und kam eine Runde später selbst an die Box. Sein linker Hinterreifen hatte bereits die Lauffläche verloren; der Wechsel beider Hinterräder und das Nachtanken waren nach 31 Sekunden erledigt. Caracciola lag danach wieder vorn.
In der 17. Runde traf es Lang. Ein Reifenschaden zwang ihn, langsam auf der Felge zur Box zurückzufahren. Die niedrige Fahrtgeschwindigkeit führte zusätzlich zu Problemen mit den Zündkerzen, sodass neben den Reifen auch Kerzen gewechselt werden mussten. Lang verlor dadurch den Anschluss an die Spitzengruppe. Rosemeyer musste in derselben Phase erneut alle vier Reifen wechseln, setzte seine Aufholjagd danach aber fort.
Nuvolari hielt den Alfa Romeo lange in der Spitzengruppe und lag zeitweise auf Rang drei. Rosemeyer schloss wieder auf und überholte ihn in der 19. Runde. Caracciola stoppte in dieser Phase ebenfalls erneut; der Wechsel beider Hinterräder dauerte 23 Sekunden. Farina, der ab Runde 17 den fünften Platz gehalten hatte, fiel später aus, womit Hasse auf Rang fünf vorrückte.
In Runde 21 setzte Rosemeyer noch einmal ein Ausrufezeichen: Mit 0:09.55 und einem Schnitt von 138 km/h fuhr er die schnellste Runde des Tages. Caracciola wurde in den letzten Runden langsamer, an der Reihenfolge änderte sich jedoch nichts mehr. Im Ziel lag er 46 Sekunden vor von Brauchitsch; zwischen von Brauchitsch und Rosemeyer lagen weitere 15,1 Sekunden. Nuvolari wurde Vierter, Hasse Fünfter, Kautz Sechster und Lang Siebter.
Caracciola absolvierte die 501,82 Kilometer in 3:46.00,1 Stunden. Sein Durchschnitt von 133,2 km/h bedeutete einen neuen Streckenrekord. Von Brauchitsch kam nach 3:46.46,3 Stunden ins Ziel, Rosemeyer nach 3:47.01,4 Stunden. Nuvolari beendete das Rennen als Vierter in 3:50.04 Stunden. Ruesch wurde Achter und lag eine Runde zurück; Evans erreichte Rang neun mit drei Runden Rückstand, Festeties wurde Zehnter und Marinoni Elfter mit vier Runden Rückstand. Von den 26 gestarteten Fahrern wurden elf gewertet.
| Gemeldet | 34 |
| Pole Position | #4, Bernd Rosemeyer, Auto Union Auto Union C (Continental) 9:46,2 Min. |
| Gestartet | 26 |
| Gewertet | 11 |
| Nicht gewertet | 15 |
| Sieger | #12, Rudolf Caracciola, Mercedes-Benz, Mercedes-Benz W125, 22 Runden, 3:46:00,1 h = 133,2 km /h |
| Schnellste Runde | #4, Bernd Rosemeyer, Auto Union Auto Union C (Continental) 9:53,4 min = 137,8 km/h |
Gesamtergebnis
| # | Team | Fahrer | Wagen | Rnd. | Zeit (h) | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | 12 | Mercedes-Benz | Rudolf Caracciola (DE) | Mercedes-Benz W125 (Continental) | 22 | 3:46:00,1 |
| 2. | 14 | Mercedes-Benz | Manfred von Brauchitsch (DE) | Mercedes-Benz W125 (Continental) | 22 | 3:46.46,3 |
| 3. | 4 | Auto Union | Bernd Rosemeyer (DE) | Auto Union C (Continental) | 22 | 3:47.01,4 |
| 4. | 22 | Alfa Romeo | Tazio Nuvolari (IT) | Alfa Romeo 12C-36 | 22 | 3:50.04,0 |
| 5. | 8 | Auto Union | Rudolf Hasse (DE) | Auto Union C (Continental) | 22 | 3:51.25,0 |
| 6. | 20 | Mercedes-Benz | Christian Kautz (CH) | Mercedes-Benz W125 (Continental) | 22 | 3:52.10,3 |
| 7. | 16 | Mercedes-Benz | Hermann Lang (DE) | Mercedes-Benz W125 (Continental) | 21 | + 1 Runde |
| 8. | 44 | Alfa Romeo | Hans Ruesch (CH) | Alfa Romeo Tipo-C "8C-35" | 21 | + 1 Runde |
| 9. | 42 | Alfa Romeo | Kenneth Evans (GB) | Alfa Romeo Tipo-B "P3" | 19 | + 3 Runden |
| 10. | 46 | Maserati | Ernõ Festetics (H) | Maserati 8CM | 18 | + 4 Runden |
| 11. | 26 | Alfa Romeo | Attilio Marinoni (IT) | Alfa Romeo Tipo-C "8C-35" | 18 | + 4 Runden |
| Nicht gewertet | ||||||
| 34 | Maserati | Luigi Soffietti (IT) | Maserati 6C-34 | 19 | ||
| 28 | Alfa Romeo | Vittorio Belmondo (IT) | Alfa Romeo Tipo-C "8C-35" | 18 | ||
| 48 | Maserati | László Hartmann (H) | Maserati 8CM | 18 | Aufgabe | |
| 24 | Alfa Romeo | Giuseppe Farina (IT) | Alfa Romeo 12C-36 | 18 | Zündung | |
| 38 | Maserati | Franco Cortese (IT) | Maserati 6CM | 18 | Chassis | |
| 2 | Auto Union | Ernst von Delius (DE) | Auto Union C (Continental) | 6 | tödlicher Unfall (Kollision mit Richard Seaman) |
|
| 18 | Mercedes-Benz | Richard Seaman (GB) | Mercedes-Benz W125 (Continental) | 6 | Unfall (Kollision mit Ernst von Delius) |
|
| 10 | Auto Union | Hans Stuck (DE) | Auto Union C (Continental) | 6 | Motor | |
| 40 | Maserati | Paul Pietsch (DE) | Maserati 6C-34 | 5 | Kraftstofftank | |
| 30 | Maserati | Giovanni Minozzi (IT) | Maserati 8CM | 4 | Unfall | |
| 52 | Maserati | Francesco Severi (IT) | Maserati 6C-34 | 4 | Unfall | |
| 32 | Alfa Romeo | Renato Balestrero (IT) | Alfa Romeo Tipo-B "P3" | 4 | Kraftstoffleitung | |
| 36 | Maserati | Edoardo Teagno (IT) | Maserati 8CM | 2 | Hinterachse | |
| 50 | Alfa Romeo | Raymond Sommer (FR) | Alfa Romeo Tipo-C "8C-35" | 2 | Hinterachse | |
| 6 | Auto Union | Hermann Paul Müller (DE) | Auto Union C (Continental) | 2 | Unfall | |
| Nicht gestartet | ||||||
| Scuderia Ferrari | Carlo Felice Trossi (IT) | Alfa Romeo Tipo-C "8C-35" | ||||
| Scuderia Ferrari | Joel Thorne (USA) | Alfa Romeo Tipo-C "8C-35" | ||||
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Quellen und Literatur:
Motor Sport, August 1937: „Mercedes Break Nürburg Record“, S. 32 ff.
Allgemeine Automobil-Zeitung, 1. August 1937, S. 24–25
Motorwelt, Nr. 16 vom 6. August 1937, S. 4ff
Reuß, E.: Grand Prix – 70 Jahre Großer Preis von Deutschland, Motorbuch Verlag, 1997, ISBN 3-613-01836-5
Peter Higham: Guinness Guide To International Motor Racing, Guinness Publishing Ltd., ISBN 0-85112-642-1
Driverdatabase (abgerufen 20.11.2018)
Foto: Daimler AG: Hermann Lang (der später den siebten Platz belegte) mit Mercedes-Benz Formel-Rennwagen W 125 beim Boxenstopp, 25.07.1937

