9. Großer Preis von Deutschland 1936

  • 9. Großer Preis von Deutschland
  • Veranstalter: Oberste Nationale Sportbehörde für die Deutsche Kraftfahrt (ONS)
  • Nordschleife, 22,810 km
  • 22 Runden = 501,82 km
  • Wetter: trocken und sonnig

Rekordrunde und Doppelsieg: Rosemeyer gewinnt am Nürburgring

  • Bernd Rosemeyer übernimmt früh die Spitze und gewinnt vor Hans Stuck.
  • In der dritten Runde setzt Rosemeyer mit 9:56,35 Minuten einen neuen Rundenrekord.
  • Mercedes-Benz verliert mehrere Wagen durch Defekte und einen Unfall; Antonio Brivio wird im Alfa Romeo Dritter.

Am 26. Juli 1936 wurde auf der Nürburgring-Nordschleife der Große Preis von Deutschland ausgetragen. Der Lauf zählte zur Grand-Prix-Europameisterschaft. 22 Runden und 501,82 Kilometer lagen vor den Fahrern. Rund 350.000 Zuschauer säumten die Strecke, als sich 20 Wagen zum Start aufstellten. Mercedes-Benz, Auto Union und Alfa Romeo stellten die stärksten Mannschaften, dazu kamen Maserati und Bugatti. Am Ende wurde das Rennen zu einem klaren Erfolg für Auto Union: Bernd Rosemeyer gewann vor Hans Stuck, Antonio Brivio brachte den Alfa Romeo als Dritten ins Ziel.

Das Training hatte zunächst Mercedes-Benz in einer starken Position gezeigt. Rudolf Caracciola umrundete die 22,8 Kilometer lange Nordschleife in 10:03 Minuten und erreichte dabei 136,22 km/h im Durchschnitt. Auch Auto Union lag mit seinen Zeiten in der Nähe der Zehn-Minuten-Marke. Das Feld versprach damit einen offenen Kampf, zumal Alfa Romeo mit Tazio Nuvolari, René Dreyfus, Antonio Brivio und Francesco Severi vertreten war und Raymond Sommer einen weiteren Alfa Romeo einsetzte.

Von Brauchitsch startet am besten – Rosemeyer übernimmt

Manfred von Brauchitsch erwischte aus der zweiten Reihe den besten Start und setzte den Mercedes-Benz an die Spitze. Dahinter folgten zunächst Hermann Lang, Hans Stuck und Bernd Rosemeyer. Nach der ersten Runde führte von Brauchitsch weiter, doch schon im zweiten Umlauf änderte sich das Bild. Sein Wagen verlor an Tempo; am Karussell hielt er kurz an, ehe er langsam die Box erreichte. Arbeiten am Vorderwagen und an den Stoßdämpfern warfen ihn weit zurück.

Rosemeyer nutzte die Gelegenheit und übernahm die Führung. Lang hielt den Mercedes-Benz zunächst auf Rang zwei, Caracciola folgte dahinter. Nuvolari arbeitete sich im Alfa Romeo nach vorn, während Stuck ebenfalls in der Spitzengruppe blieb. Bereits jetzt begann sich das Feld zu lichten: Juan Zanelli, Jean-Pierre Wimille und Richard Seaman gehörten zu den frühen Ausfällen.

In der dritten Runde verschärfte Rosemeyer das Tempo entscheidend. Mit 9:56,35 Minuten stellte er einen neuen Rundenrekord auf; die Durchschnittsgeschwindigkeit wurde mit 137,6 km/h angegeben. Damit lag die Rennrunde erstmals deutlich unter der Zehn-Minuten-Marke, die im Training noch als entscheidende Schwelle gegolten hatte.

Hinter ihm blieb Lang zunächst der nächste Verfolger. Caracciola verlor früh Zeit: Ein Defekt an der Kraftstoffversorgung zwang ihn an die Box, später blieb sein eigener Wagen endgültig liegen. Der Mercedes-Benz-Fahrer kehrte dennoch ins Rennen zurück, weil die damaligen Regeln Fahrerwechsel zuließen.

Boxenstopps und Fahrerwechsel verändern das Bild

Nach sieben Runden setzte der planmäßige Reifenwechsel ein. Rosemeyer kam als Erster an die Box und kehrte nach dem Stopp wieder auf die Strecke zurück. Lang übernahm zwischenzeitlich die Führung. Kurz darauf musste auch er zum Reifenwechsel anhalten. Dabei wurde bekannt, dass er sich bereits in der ersten Runde einen Finger gebrochen hatte und mehrere Runden trotz der Verletzung weitergefahren war. Caracciola übernahm daraufhin Langs Mercedes-Benz.

Auch von Brauchitsch arbeitete sich nach seinem frühen Rückschlag wieder nach vorn. Als er später an die Box kam, übernahm der inzwischen behandelte Lang dessen Wagen. Damit wechselten bei Mercedes-Benz gleich mehrere Fahrer die Autos. Die Mannschaft blieb jedoch von technischen Problemen verfolgt: Caracciola kam auch mit Langs Wagen nicht weit, nachdem weitere Defekte auftraten.

Nuvolari fällt aus, Chiron verunglückt

Zur Rennhälfte führte Rosemeyer vor Stuck und Nuvolari. Der Italiener hielt Alfa Romeo in Reichweite der Auto Union, doch seine Fahrt endete später vorzeitig. In der zeitgenössischen Berichterstattung wurde ein Zündkerzenschaden als Ursache genannt. Damit rückte Brivio zum bestplatzierten Alfa-Romeo-Fahrer auf.

Für Mercedes-Benz verschärften sich die Probleme. Louis Chiron kam in der 13. Runde im Bereich hinter Antoniusbuche von der Strecke ab, durchbrach die Einzäunung und überschlug sich. Er erlitt Kopf- und Schulterverletzungen und wurde nach Adenau ins Krankenhaus gebracht; die Verletzungen wurden als nicht ernst beschrieben. Fagioli und Caracciola brachten schließlich noch einen Mercedes-Benz gemeinsam in die Wertung, ebenso von Brauchitsch und Lang einen weiteren.

Rosemeyer kontrollierte die zweite Rennhälfte. Nach einem weiteren Reifenwechsel blieb sein Vorsprung groß genug, um Stuck auf Distanz zu halten. Brivio behauptete Rang drei, Rudolf Hasse folgte als Vierter. Ernst von Delius wurde Sechster. Damit kamen alle vier gestarteten Auto Union unter die ersten sechs.

Nach 22 Runden gewann Rosemeyer in 3:48.39,3 Stunden. Sein Durchschnitt wurde mit 131,65 km/h angegeben. Stuck folgte knapp vier Minuten später, Brivio wurde Dritter. Hasse komplettierte mit Rang vier den starken Auftritt von Auto Union. Mercedes-Benz brachte dagegen nur zwei Wagen in die Wertung, beide nach Fahrerwechseln.

Der Große Preis von Deutschland 1936 bestätigte die Form, die Rosemeyer wenige Wochen zuvor beim Eifelrennen gezeigt hatte. Auf trockener Strecke verband er hohes Grundtempo mit einer fehlerfreien Fahrt und setzte mit seiner Rekordrunde früh ein Zeichen. Auto Union nutzte den Tag zu einem Doppelsieg und brachte die gesamte Mannschaft weit nach vorn. Für Mercedes-Benz wurde das Rennen dagegen von Fahrwerksproblemen, Defekten, Fahrerwechseln und Chirons Unfall geprägt.

Gemeldet 21
Pole Position #22, Tazio Nuvolari,
Alfa Romeo,
Alfa Romeo Tipo-C "8C-35",
Startplatz durch Los bestimmt
Gestartet 20
Gewertet 10
Nicht gewertet 10
Sieger #4, Bernd Rosemeyer,
Auto Union,
Auto Union C,
22 Runden, 3:48:39,6 h = 131,65 km/h
Schnellste Runde #4, Bernd Rosemeyer,
Auto Union,
Auto Union C,
9:56,6 min = 137,6 km/h

Gesamtergebnis

 #TeamFahrerFahrzeugRnd.Zeit (h)
1 4 Auto Union Bernd Rosemeyer (DE) Auto Union C (Continental) 22 3:48:39,6
2 2 Auto Union Hans Stuck (DE) Auto Union C (Continental) 22 3:52.36,4
3 24 Alfa Romeo Antonio Brivio (IT) Alfa Romeo Tipo-C "8C-35" 22 3:57.05,0
4 6 Auto Union Rudolf Hasse (DE) Auto Union C (Continental) 22 3:59.13,2
5 16 Mercedes-Benz Luigi Fagioli (IT),
Rudolf Caracciola (DE)
Mercedes-Benz W25C (Continental) 22 + 1 Runde
6 8 Auto Union Ernst von Delius (DE) Auto Union C (Continental) 22 + 1 Runde
7 14 Mercedes-Benz Manfred von Brauchitsch (DE),
Hermann Lang (DE)
Mercedes-Benz W25C (Continental) 22 + 1 Runde
8 32 Maserati Carlo Felice Trossi (IT),
Richard Seaman (DE)
Maserati 4CM 22 + 1 Runde
9 40 Alfa Romeo Raymond Sommer (FR) Alfa Romeo Tipo-B "P3" 19 + 3 Runden
10 10 Maserati Thomas Pitt Cholmondeley-Tapper (NZ/GB) Maserati 8CM 18 + 4 Runden
Nicht gewertet
  28 Alfa Romeo Francesco Severi (IT),
René Dreyfus (FR)
Alfa Romeo Tipo-C "8C-35" 17  
  22 Alfa Romeo Tazio Nuvolari (IT) Alfa Romeo Tipo-C "8C-35" 13  
  20 Mercedes-Benz Hermann Lang (DE),
Rudolf Caracciola (DE)
Mercedes-Benz W25C (Continental) 12  
  18 Mercedes-Benz Louis Chiron (MC) Mercedes-Benz W25C (Continental) 11  
  26 Alfa Romeo René Dreyfus (FR) Alfa Romeo Tipo-C "8C-35" 7  
  34 Bugatti Walter Rens (NL) Bugatti T51 7  
  12 Mercedes-Benz Rudolf Caracciola (DE) Mercedes-Benz W25C (Continental) 3  
  30 Maserati Richard Seaman (GB) Maserati V8RI 2  
  36 Bugatti Jean-Pierre Wimille (FR) Bugatti T59 2  
  38 Maserati Juan Zanelli (RCH) Maserati 8CM 1  

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Quellen und Literatur:
Reuß, E.: Grand Prix – 70 Jahre Großer Preis von Deutschland, Motorbuch Verlag, 1997, ISBN 3-613-01836-5

Peter Higham: Guinness Guide To International Motor Racing, Guinness Publishing Ltd., ISBN 0-85112-642-1
Allgemeine Automobil-Zeitung, August 1936, S. 12f
Motorwelt, Heft 15/1936, Anfang August 1936, S. 5ff und 35ff
Golden Era, „1936 Grand Prix Season – Abschnitt 7 "Großer Preis von Deutschland"
Motor Sport, Juni 2014, „Bernd Rosemeyer: The Villeneuve of the Thirties“ (abgerufen 06.10.2026)
Wikipedia (abgerufen 20.11.2018)
Driverdatabase (abgerufen 20.11.2018)