12. Int. ADAC Eifelrennen 1939

  • 12. Int. ADAC Eifelrennen 1937
  • Veranstalter: Oberste Nationale Sportbehörde für die Deutsche Kraftfahrt (ONS)
  • Nordschleife

19.-21. Mai 1939

Elf Sekunden entscheiden: Hermann Lang gewinnt das Eifelrennen 1939

  • Hermann Lang gewinnt nach zehn Runden nur 11,2 Sekunden vor Tazio Nuvolari
  • Mit 9:52,2 Minuten setzt Lang in der siebten Runde einen neuen Rundenrekord
  • BMW prägt die größeren Sportwagenklassen, während Reichenwallner auf Fiat bis 1100 ccm gewinnt

Am 21. Mai 1939 wurde das Internationale Eifelrennen auf der Nürburgring-Nordschleife ausgetragen. Das Hauptrennen führte über zehn Runden und 228,1 Kilometer. Dreizehn Wagen gingen an den Start: fünf Mercedes-Benz, vier Auto Union, drei privat eingesetzte 1,5-Liter-Maserati und ein Talbot-Darracq. Vor rund 200.000 Zuschauern entwickelte sich an der Spitze ein Duell zwischen Hermann Lang und Tazio Nuvolari, das erst nach dem letzten Umlauf entschieden war.

Die Ausgangslage war für Mercedes-Benz günstig. Die Stuttgarter Mannschaft trat mit Rudolf Caracciola, Manfred von Brauchitsch, Hermann Lang, Richard Seaman und Hans Hugo Hartmann an. Auto Union bestritt dagegen seinen ersten Renneinsatz des Jahres. Hans Stuck fehlte verletzt; Tazio Nuvolari bildete zusammen mit Rudolf Hasse, Hermann Müller und Ulrich Bigalke das tatsächlich gestartete Quartett. Georg Meier war zwar vorgesehen, konnte wegen technischer Probleme jedoch nicht antreten. Alfa Romeo erschien trotz Nennung nicht, und von zwei gemeldeten Talbot-Darracq erreichte nach einem Trainingsunfall nur Philippe Étancelin den Start.

Langs Boxenstopp öffnet Nuvolari die Tür

Mercedes-Benz setzte nicht bei allen Fahrern auf dieselbe Strategie. Lang und Caracciola starteten mit weniger Kraftstoff und sollten im Rennen Reifen wechseln. Von Brauchitsch ging wie Nuvolari mit einer auf einen längeren Stint ausgelegten Strategie ins Rennen. Lang setzte sich zunächst an die Spitze, dahinter reihten sich Caracciola und von Brauchitsch ein. Nuvolari arbeitete sich nach einem langsameren Beginn nach vorn und lag nach drei Runden bereits auf Rang drei.

Richard Seaman kam kaum in das Rennen. Seine Kupplung wurde beim Start beschädigt; nach einer langsamen Runde stellte er den Mercedes-Benz ab. Vorn blieb Lang zunächst tonangebend. Nach der vierten Runde kam er zum vorgesehenen Halt für Kraftstoff und Hinterreifen an die Box. Der Stopp dauerte 32 Sekunden und kostete ihn die Führung. Caracciola und Nuvolari zogen vorbei.

Nuvolari war damit in einer starken Position. Der Italiener benötigte keinen planmäßigen Reifenstopp und hielt den Auto Union in Schlagdistanz zu den Mercedes-Benz. Lang begann auf frischen Reifen wieder aufzuschließen. Von Brauchitsch wechselte in der folgenden Phase ebenfalls Hinterreifen, während Caracciola beim eigenen Halt mehr Zeit verlor. In der siebten Runde lag Lang wieder vorn.

9:52,2 Minuten – Lang zieht im entscheidenden Moment an

Mit der erneuten Führung erhöhte Lang das Tempo. In der siebten Runde umrundete er die Nordschleife in 9:52,2 Minuten und stellte damit einen neuen Rundenrekord auf. Nuvolari blieb dennoch dicht genug, um den Ausgang offen zu halten. Nach acht Runden betrug Langs Vorsprung nur neun Sekunden; Caracciola folgte weitere rund 20 Sekunden hinter dem Auto Union.

Bis ins Ziel änderte sich die Reihenfolge an der Spitze nicht mehr. Lang gewann nach 1:40.57,1 Stunden. Nuvolari folgte 11,2 Sekunden später und hatte seinerseits gut 20 Sekunden Vorsprung auf Caracciola. Von Brauchitsch wurde Vierter. Dahinter kamen Hasse, Bigalke und Müller für Auto Union ins Ziel. Hartmann belegte mit einer Runde Rückstand Rang acht.

Nuvolaris zweiter Platz war dabei mehr als ein Ergebnis der Strategie. Der Auto Union war an diesem Wochenende gegenüber den schnellsten Mercedes-Benz im Nachteil, doch Nuvolari brachte den Wagen ohne Boxenstopp bis auf elf Sekunden an Lang heran. Damit blieb der Italiener bis zum Schluss der einzige Fahrer, der Lang den Sieg noch streitig machen konnte.

Ergebnis – Rennwagen
Position#TeamFahrerWagenRundenGesamt (h)
1. 16 Daimler-Benz AG Hermann Lang Mercedes-Benz W154 10 1:40.57,1
2. 2 Auto Union AG Tazio Nuvolari Auto Union D 10 1:41.08,3
3. 12 Daimler-Benz AG Rudolf Caracciola Mercedes-Benz W154 10 1:41.28,4
4. 14 Daimler-Benz AG Manfred von Brauchitsch Mercedes-Benz W154 10 1:42.53
5. 4 Auto Union AG Rudolf Hasse Auto Union D 10 1:42.56,1
6. 10 Auto Union AG Ulrich Bigalke Auto Union D 10 1:44.52,1
7. 6 Auto Union AG Hermann Müller Auto Union D 10 1:46.31,2
8. 20 Daimler-Benz AG Hans Hugo Hartmann Mercedes-Benz W154 9 1:48.10,4
9. 22 P. Pietsch Paul Pietsch Maserati 6CM 9 1:41.23,0
10. 26 Süddeutsche Renngemeinschaft Leonhard Joa Maserati 4CM 9 1:45.28,4
11. 28 Automobiles Talbot-Darracq Philippe Étancelin Talbot MD 9 1:46.37,3
12. 24 Süddeutsche Renngemeinschaft Heinz Dipper Maserati 6CM 8 1:50.39,2
Nicht gewertet
  18 Daimler-Benz AG Richard Seaman Mercedes-Benz W154 1  

Sportwagen: BMW vorn, Reichenwallner gewinnt bis 1100 ccm

Vor dem Hauptrennen standen auch die Sportwagen auf der Nordschleife. In der Klasse bis 2000 ccm setzte sich P. G. Cristea auf BMW durch. F. Werneck folgte auf einem weiteren BMW. Auch in der 1500-ccm-Klasse ging der Sieg an BMW: R. Roese gewann vor W. Nürnberger auf MG. Der HRG von W. Hillegaart hatte lange nach einem möglichen Klassensieg ausgesehen, verlor jedoch in der letzten Runde durch eine defekte Zündkerze an Tempo und fiel auf Rang drei zurück.

Bis 1100 ccm unterbrach A. Reichenwallner die BMW-Serie. Er gewann auf Fiat vor J. Hummel auf BMW und M. Neuber auf Fiat. Damit blieb der kleinste Sportwagensieg an diesem Renntag der einzige Klassenerfolg eines ausländischen Fabrikats in den hier überlieferten Sportwagenwertungen.

Sportwagen bis 2000 ccm

Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h)
1.   Petre G. Cristea BMW 6 1:11.24,4
2.   Dr. Fritz Werneck BMW 6 1:11.46,0
3.   Wilhelm Briem BMW 6 1:12.34,1
Sportwagen bis 1500 ccm
Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h)
1.   Ralph Röse BMW 5 1:05.13,4
2.   Walter Nürnberger MG 5 1:09.48,0
3.   Werner Hillegaart HRG 5 1:09.53,4
Sportwagen bis 1100 ccm
Position # Fahrer Wagen Runden Gesamt (h)
1.   Adolf Reichenwallner Fiat 4 0:50.13,2
2.   Josef Hummel BMW 4 0:56.33,0
3.   M. Neuber Fiat 4 0:57.39,2

Motorräder: DKW und BMW holen die Klassensiege

Auch die Motorradrennen gehörten zum Programm des Eifelrennens. Alle drei Soloklassen führten über sechs Runden und 136,860 Kilometer. Bis 250 ccm gewann Ewald Kluge auf Auto Union DKW in 1:12.13,4 Stunden. Walfried Winkler und Siegfried Wünsche komplettierten den DKW-Dreifacherfolg; zwischen ihnen lagen im Ziel nur eine Zehntelsekunde. Auch die 350-ccm-Klasse endete mit drei Auto Union DKW an der Spitze: Heiner Fleischmann siegte vor Walter Hamelehle und Bernhard Petruschke. In der 500-ccm-Klasse setzte sich Ludwig Kraus auf BMW durch. Karl Gall folgte nur 1,7 Sekunden später auf einem weiteren BMW, Fergus Anderson wurde auf Norton Dritter.

Motorräder bis 250 ccm
Position # Fahrer Krad Runden Gesamt (h)
1.   Ewald Kluge Auto Union DKW 6 1:12.13,4
2.   Walfried Winkler Auto Union DKW 6 1:13.02,2
3.   Siegfried Wünsche Auto Union DKW 6 1:13.02,3
Motorräder bis 350 ccm
Position # Fahrer Krad Runden Gesamt (h)
1.   Heiner Fleischmann Auto Union DKW 6 1:09.46,0
2.   Walter Hamelehle Auto Union DKW 6 1:12.53,2
3.   Bernhard Petruschke Auto Union DKW 6 1:14.04,2
Motorräder bis 500 ccm
Position # Fahrer Krad Runden Gesamt (h)
1.   Ludwig Kraus BMW 6 1:07.43,3
2.   Karl Gall BMW 6 1:07.45,0
3.   Fergus Anderson Norton 6 1:11.47,2

Für Hermann Lang war der Sieg der sportliche Höhepunkt eines Weges, der ungewöhnlich begonnen hatte. Nach Einsätzen als Motorradrennfahrer arbeitete er ab 1933 in der Versuchsabteilung von Mercedes-Benz, war 1934 Rennmechaniker Luigi Fagiolis und kam 1935 selbst an das Steuer eines Grand-Prix-Wagens. Zwei Jahre später folgten seine ersten Grand-Prix-Siege. Beim Eifelrennen 1939 verband er die Geschwindigkeit des Mercedes-Benz mit einer Boxenstrategie, die ihn nach dem zwischenzeitlichen Rückfall wieder an Nuvolari vorbeibrachte.

Ein letzter Eifelrennen-Sommer vor der Unterbrechung

Das Eifelrennen 1939 endete mit einem knappen Duell zweier Fahrer aus unterschiedlichen Mannschaften: Lang gewann mit dem schnelleren Mercedes-Benz, Nuvolari hielt den Auto Union ohne planmäßigen Boxenstopp bis in die letzten Kilometer in Reichweite. Wenige Monate später herrschte Krieg in Europa. Die Tradition des Eifelrennens auf dem Nürburgring wurde erst elf Jahre später fortgesetzt.

Zur Übersicht "Chronologie 1939"


Quellen: Behrndt, Mi./Födisch, J-T./Behrndt, Ma.: ADAC Eifelrennen, Heel, 2009, ISBN 978-3-86852-070-5
Motor Sport, Juni 1939, S. 6: „Mercedes Win Eifel Race“
Golden Era: 1939 Grand Prix Season – Part 3, Internationales Eifelrennen
Foto: Daimler AG
Abbildung des Programmhefts mit freundlicher Genehmigung des ADAC e.V., München